Ich mag es, am Rhein entlang zu fahren. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich die Anwesenheit und Nähe großer Gewässer als angenehm empfinde. In einer Stadt ohne großen Fluss könnte ich nicht leben. Wenn ich Ziele in der Stadt ansteuere, nutze ich insofern die linksrheinische Strecke am Fluss so oft es geht als gute Süd-Nord-Verbindung. Trotz einiger Mängel lassen sich der Radweg bzw. die gemeinsam von Radfahrern und Fußgängern zu nutzenden Abschnitte größtenteils ganz gut befahren.
Dies ist dahingehend auch nicht wirklich verwunderlich, ist die Strecke doch Teil des sog. Rhein-Radweges, zwischen Bad Honnef und Duisburg bezeichnet als “Erlebnisweg Rheinschiene”. Neben den Alltagsfahrern mit ihren Zielen im städtischen Bereich wird sie also auch von Radtouristen genutzt. Und in dieser Jahreszeit natürlich in höherer Frequenz.
Ein Nadelöhr gilt es jedoch immer wieder zu durchqueren: Der Streckenabschnitt Frankenwerft, der parallel zum Rheinufertunnel verläuft.

Nach links fahren, Straße oder Rheinufer befahren?
Es beginnt damit, dass von Süden kommend der Radweg ohne jegliche weitere Kennzeichnung auf der Höhe Heumarkt einfach beendet wird. Die sonst in Köln übliche Schilderwut zur Regulierung des Verkehrs findet hier nicht statt. Der unbedarfte Radfahrer könnte sich zum einen aufgrund der farbigen Markierung auf dem Boden fragen, ob er nun den Fußgängerüberweg nutzen muss – was völlig unsinnig wäre. Zum anderen wäre es möglich, die Straße zu benutzen; dies ist sogar in dieser Richtung erlaubt, allerdings unter Komforteinschränkungen, da die Straße durch den Rheinufertunnel führt und eine Geschwindigkeit von 70 km/h gestattet ist. Als dritte Möglichkeit bietet sich die Fahrt über die Rheinpromenade an. Diese ist ebenfalls gestattet, was allerdings erst nach einigen Metern Benutzung deutlich wird, wenn das Verkehrszeichen 242 (Beginn eines Fußgängerbereichs) mit dem Zusatz “Radfahrer frei” zu sehen ist. Diese Variante ist zumindest optisch die angenehmste.

Zweibeinige und zweirädrige Touristen gemeinsam unterwegs...
Benutzt man nun den direkten Weg am Rhein wird auch sogleich die unangenehme Seite der Rheinpromenade für Radfahrer deutlich. Fußgänger – zumeist in großer Anzahl – und Radfahrer müssen sich irgendwie den Weg teilen. Aufgrund der Beschilderung haben Fußgänger Vorrang und der Radfahrer muss vorsichtig fahren – bis hin zur Schrittgeschwindigkeit.

Hinweis auf (zügig befahrbaren) Radweg
Diese Situation setzt sich fort bis zum Austritt des Rheinufertunnels auf der Höhe des “Musical Dome”. Dort weist zumindest ein Verkehrsschild auf den links von der Promenade liegenden Radweg (und auf dessen Benutzungspflicht) hin; eine zügige Fahrt kann dort wieder aufgenommen werden.
Grundsätzlich könnte mit dieser Verkehrsführung für Fußgänger und Radfahrer ganz gut gelebt werden, wenn sich alle Beteiligten achtsam und umsichtig verhalten würden. Dies scheint aber meinem Erleben nach nicht wirklich der Fall zu sein. Vielleicht sind dafür die Interessen der Promenandennutzer zu unterschiedlich.
Spazierende Kölner und Touristen möchten sicherlich primär das wunderschöne Panorama genießen; dementsprechend ist die Gehgeschwindigkeit eher sehr reduziert. Andere Fußgänger gehen zwar etwas zügiger, weil sie ein Ziel haben. Beide Fußgängergruppen zeichnet aus, dass sie augenscheinlich in der Rege nicht mit Radfahrern rechnen bzw. ihren Sichtfokus auf die Landschaft oder ihr Ziel ausgerichtet haben.

Gemeinsame Wegenutzung
Demgegenüber gibt es Radfahrer Kölner Provenienz, die eher in gemütlicher Weise die Promenade für ihren Alltagsweg nutzen. Andere städtische Radfahrer möchten dagegen primär ihr Ziel erreichen; für sie scheint dieser Weg ein Streckenabschnitt wie jeder andere in Köln zu sein und reduzieren ihre Geschwindigkeit deshalb kaum oder gar nicht. Viele Radtouristen verfahren in gleicher Weise. Allen Radfahrern gemein scheint meiner Beobachtung nach das Vorankommen zu sein (nun ja, dazu fährt man ja auch Fahrrad), wobei alle slalomartige Lenkbewegungen vollführen müssen. Dies liegt sowohl an den Fußgängern, an denen vorbeigefahren werden muss, die teilweise unvorhersehbare Änderungen ihrer Gehrichtung vollziehen oder die Radfahrer einfach ignorieren.

Zügig voran!
Eine weitere Ursache liegt aber auch in der Fahrweise von Radfahrern begründet, die ruckartige Richtungswechsel vollführen, die einem unvermittelt in höherer Geschwindigkeit nach dem Passieren von Hindernissen (wie z.B. dem Wasserpegelturm) entgegen kommen oder ohne ausreichenden Abstand überholen.
Ich habe schon häufiger überlegt, wie dieses Nadelöhr freundlicher und sicherer für alle Beteiligten gestaltet werden könnte. Allerdings bin ich selbst noch zu keinem Ergebnis gekommen. Vielleicht könnte es schon helfen, wenn an der jeweiligen Ein-/ Ausmündung eine deutliche Beschilderung vorgenommen wird, die nicht erst nach einigen Metern bzw. einigem Umherblicken wahrgenommen werden kann und die auf dem Wegverlauf wiederholt wird. Eine Separierung von Fußgängern und Radfahrern dagegen wird aufgrund der Promenadengestaltung nicht möglich sein; ich hielte eine solche Maßnahme auch nicht für sinnvoll.

Wie ist's am Rhein so schön!
Die Rheinpromenade bietet resümierend zusammengefasst ein Getummel sich unterschiedlich fortbewegender Menschen, in dem zum einen von allen auch jenseits des blauen Rheins Aufmerksamkeit verlangt wird. Zum anderen erfordert die unschöne bis gefährdende Wegbenutzung verkehrsplanerische Aktivitäten der Stadt Köln. Damit sich alle Promenierenden und Fahrenden auch auf Frankenwerft denken können: Ach, wie ist es am Rhein doch so schön.