Archiv der Kategorie: Reise

Beobachtungen: Bodenseeradler

Am Bodenseeufer

Knappe zwei Wochen habe ich mich am Bodensee erholt. Es war eine wunderbare Zeit bei wunderbarem Wetter. Auch wenn ich dort das Fahrrad nicht benutzt habe, konnte ich doch verschiedenste Beobachtungen machen bezüglich des Radfahrens.

1) Wer den Bodensee-Radfernweg befährt, muss sich viele Strecken mit Autofahrern teilen. Vielfach führt der Weg entlang kleinerer Straßen. Sie wirken zwar auf dem ersten Blick idyllisch, jedoch werden sie vielfach von Autos befahren, so dass es teilweise nicht mehr so gemütlich ist, dort als Radfahrer unterwegs zu sein. Alleine auf der Straße, an der mein Hotel lag, erschien es mir aufgrund parkender und entgegen kommender Autos nicht mehr so angenehm, dort reisend zu radeln. Weiterlesen


Slalom auf der Kölner Rheinpromenade

Ich mag es, am Rhein entlang zu fahren. Dies hängt sicherlich auch damit zusammen, dass ich die Anwesenheit und Nähe großer Gewässer als angenehm empfinde. In einer Stadt ohne großen Fluss könnte ich nicht leben. Wenn ich Ziele in der Stadt ansteuere, nutze ich insofern die linksrheinische Strecke am Fluss so oft es geht als gute Süd-Nord-Verbindung. Trotz einiger Mängel lassen sich der Radweg bzw. die gemeinsam von Radfahrern und Fußgängern zu nutzenden Abschnitte größtenteils ganz gut befahren.

Dies ist dahingehend auch nicht wirklich verwunderlich, ist die Strecke doch Teil des sog. Rhein-Radweges, zwischen Bad Honnef und Duisburg bezeichnet als “Erlebnisweg Rheinschiene”. Neben den Alltagsfahrern mit ihren Zielen im städtischen Bereich wird sie also auch von Radtouristen genutzt. Und in dieser Jahreszeit natürlich in höherer Frequenz.

Ein Nadelöhr gilt es jedoch immer wieder zu durchqueren: Der Streckenabschnitt Frankenwerft, der parallel zum Rheinufertunnel verläuft.

Nach links fahren, Straߟe oder Rheinufer befahren?

Es beginnt damit, dass von Süden kommend der Radweg ohne jegliche weitere Kennzeichnung auf der Höhe Heumarkt einfach beendet wird. Die sonst in Köln übliche Schilderwut zur Regulierung des Verkehrs findet hier nicht statt. Der unbedarfte Radfahrer könnte sich zum einen aufgrund der farbigen Markierung auf dem Boden fragen, ob er nun den Fußgängerüberweg nutzen muss – was völlig unsinnig wäre. Zum anderen wäre es möglich, die Straße zu benutzen; dies ist sogar in dieser Richtung erlaubt, allerdings unter Komforteinschränkungen, da die Straße durch den Rheinufertunnel führt und eine Geschwindigkeit von 70 km/h gestattet ist. Als dritte Möglichkeit bietet sich die Fahrt über die Rheinpromenade an. Diese ist ebenfalls gestattet, was allerdings erst nach einigen Metern Benutzung deutlich wird, wenn das Verkehrszeichen 242 (Beginn eines Fußgängerbereichs) mit dem Zusatz “Radfahrer frei” zu sehen ist. Diese Variante ist zumindest optisch die angenehmste.

Zweibeinige und zweirädrige Touristen gemeinsam unterwegs...

Benutzt man nun den direkten Weg am Rhein wird auch sogleich die unangenehme Seite der Rheinpromenade für Radfahrer deutlich. Fußgänger – zumeist in großer Anzahl – und Radfahrer müssen sich irgendwie den Weg teilen. Aufgrund der Beschilderung haben Fußgänger Vorrang und der Radfahrer muss vorsichtig fahren – bis hin zur Schrittgeschwindigkeit.

Hinweis auf (zügig befahrbaren) Radweg

Diese Situation setzt sich fort bis zum Austritt des Rheinufertunnels auf der Höhe des “Musical Dome”. Dort weist zumindest ein Verkehrsschild auf den links von der Promenade liegenden Radweg (und auf dessen Benutzungspflicht) hin; eine zügige Fahrt kann dort wieder aufgenommen werden.

Grundsätzlich könnte mit dieser Verkehrsführung für Fußgänger und Radfahrer ganz gut gelebt werden, wenn sich alle Beteiligten achtsam und umsichtig verhalten würden. Dies scheint aber meinem Erleben nach nicht wirklich der Fall zu sein. Vielleicht sind dafür die Interessen der Promenandennutzer zu unterschiedlich.

Spazierende Kölner und Touristen möchten sicherlich primär das wunderschöne Panorama genießen; dementsprechend ist die Gehgeschwindigkeit eher sehr reduziert. Andere Fußgänger gehen zwar etwas zügiger, weil sie ein Ziel haben. Beide Fußgängergruppen zeichnet aus, dass sie augenscheinlich in der Rege nicht mit Radfahrern rechnen bzw. ihren Sichtfokus auf die Landschaft oder ihr Ziel ausgerichtet haben.

Gemeinsame Wegenutzung

Demgegenüber gibt es Radfahrer Kölner Provenienz, die eher in gemütlicher Weise die Promenade für ihren Alltagsweg nutzen. Andere städtische Radfahrer möchten dagegen primär ihr Ziel erreichen; für sie scheint dieser Weg ein Streckenabschnitt wie jeder andere in Köln zu sein und reduzieren ihre Geschwindigkeit deshalb kaum oder gar nicht. Viele Radtouristen verfahren in gleicher Weise. Allen Radfahrern gemein scheint meiner Beobachtung nach das Vorankommen zu sein (nun ja, dazu fährt man ja auch Fahrrad), wobei alle slalomartige Lenkbewegungen vollführen müssen. Dies liegt sowohl an den Fußgängern, an denen vorbeigefahren werden muss, die teilweise unvorhersehbare Änderungen ihrer Gehrichtung vollziehen oder die Radfahrer einfach ignorieren.

Zügig voran!

Eine weitere Ursache liegt aber auch in der Fahrweise von Radfahrern begründet, die ruckartige Richtungswechsel vollführen, die einem unvermittelt in höherer Geschwindigkeit nach dem Passieren von Hindernissen (wie z.B. dem Wasserpegelturm) entgegen kommen oder ohne ausreichenden Abstand überholen.

Ich habe schon häufiger überlegt, wie dieses Nadelöhr freundlicher und sicherer für alle Beteiligten gestaltet werden könnte. Allerdings bin ich selbst noch zu keinem Ergebnis gekommen. Vielleicht könnte es schon helfen, wenn an der jeweiligen Ein-/ Ausmündung eine deutliche Beschilderung vorgenommen wird, die nicht erst nach einigen Metern bzw. einigem Umherblicken wahrgenommen werden kann und die auf dem Wegverlauf wiederholt wird. Eine Separierung von Fußgängern und Radfahrern dagegen wird aufgrund der Promenadengestaltung nicht möglich sein; ich hielte eine solche Maßnahme auch nicht für sinnvoll.

Wie ist's am Rhein so schön!

Die Rheinpromenade bietet resümierend zusammengefasst ein Getummel sich unterschiedlich fortbewegender Menschen, in dem zum einen von allen auch jenseits des blauen Rheins Aufmerksamkeit verlangt wird. Zum anderen erfordert die unschöne bis gefährdende Wegbenutzung verkehrsplanerische Aktivitäten der Stadt Köln. Damit sich alle Promenierenden und Fahrenden auch auf Frankenwerft denken können: Ach, wie ist es am Rhein doch so schön.


Pause bei Renate: Eine kurze Tour von Köln nach Wesseling und zurück

Eigentlich wollte ich heute nur eine recht kurze Tour fahren, um meine nach Bewegung juckenden Beine zu befriedigen. Also dachte ich an die von mir bereits häufiger gefahrene Route: Linksrheinisch am Rhein entlang bis nach Weiß, dort die Krokodil-Fähre über den Rhein nach Zündorf und schließlich rechtsrheinisch zurück ins Zentrum von Köln. Als ich jedoch an der Anlegestelle in Weiß ankam, kam mir die Rückfahrt auf der rechtsrheinischen Seite zu kurz vor. Also bin ich kurzerhand einfach weiter gefahren in Richtung Bonn. Sollte ich jemals in Bonn arbeiten, wäre dies doch ein netter Test, wie lange ich dafür brauchen und wie viel Energie dies kosten würde, absolvierte ich den Arbeitsweg auch auf diese Entfernung mit dem Fahrrad.

Rheinradweg an Wesselinger Industrie

Es blies ein ungewöhnlicher Wind von der Seite. Normalerweise erlebt man ja eher Rückenwind in Richtung rheinaufwärts und Gegenwind in Richtung rheinabwärts. Heute war es mal ganz anders. Die Fahrt auf dem Rheinradweg führt weithin über schöne Strecken direkt am Rhein entlang und auch durch Waldgebiete. Ich liebe die frische, grüne Luft, wenn man über Wege fährt, die von reichlich Bäumen gesäumt werden. Nachdem ich Sürth hinter mir gelassen hatte, kam der unschöne Teil der Strecke. Wenn Wesseling die passierenden Radfahrer per Schild freundlich begrüßt, heißt es, vom Rheinblick Abschied zu nehmen und die nah am Fluss liegende Chemieindustrie zu umfahren. Über Brücken und auf Bundesstraßen begleitende Radwege wird man als Radfahrer geführt. Mal auf der rechten Seite, mal auf der linken Straßenseite.

In Wesseling selbst ist wohl ein neuer Kreisverkehr eingerichtet worden. Die Wegebeschilderung ist kaum zu entdecken. Mindestens vier Meter über den Köpfen der Radfahrer angebracht verkündet sie die weitere Führung des Rheinradweges. Leider habe ich sie zunächst übersehen und bin völlig falsch gefahren. Da ich noch eine nachmittägliche Verabredung in der Kölner Innenstadt hatte, trieb mich der Umweg zum Umkehren an. Und erst auf der Rückfahrt habe ich das Radverkehrsschild beim Zurückblicken entdeckt, das die weitere Fortführung des Rheinradweges preisgab. Ein Dank an die sparsamen Gemeindevorsteher!

Pause am Rheinradweg bei Renate

Nachdem ich umgekehrt war und die Wesselinger Industrielandschaft passierte, pausierte ich im Grünen auf einer aufgestellten Bank, die freundlicherweise einen Blick auf den Rhein freigab. Und diesem Schifffahrtsweg entsprechend, lag dort auch ein Transportschiff vor Anker: Die Renate. Also rauchte ich meine Pausenzigarette, während ich die Mitarbeiter auf Renates Schiffstrassen herumlaufen sah. Und so ganz nebenbei passierte mich auch eine Familie, die mit ihren Rädern unterwegs war und an denen ich bereits auf der Hinfahrt vorbeigefahren war, während sie eine Pause einnahmen. Man begegnet sich immer mehrmals, und hier auch mit einem Lächeln im Gesicht.

Passierende Reiseradler

Eine Viertelstunde zu spät kam ich bei meiner Verabredung an; auch bedingt durch die Tatsache, dass ich auf Höhe der neuen Skaterlandschaft am Rheinauhafen noch eine kurze Verschnaufpause einlegte (übrigens begleitet vom Blaulicht des Notarztwagens, denn ein Junge hatte sich wohl beim Skaten eine gefährliche Verletzung zugezogen).

Mitsamt des netten Kaffeetrinkens in der Innenstadt, dem Einkauf fürs Abendessen und dem Nachhauseweg (im beginnenden Regen) hatte ich letztlich 50 Kilometer zurückgelegt. Eine schöne, nette und entspannende Tour für einen Donnerstag Nachmittag. Aber ich stellte fest: Als täglicher Arbeitsweg wäre die Route Köln-Bonn für mich wohl ungeeignet, weil zu lang.


Rotterdam: Von den Bemühungen um Stärkung des Radverkehrs in einer Metropole

Erasmus-Brücke, Rotterdam

Ich liebe die Stadt Rotterdam. Schon öfter bin ich dort gewesen und habe die kulturellen und gastronomischen Möglichkeiten dieser Stadt genossen. Sie weist ein weltoffenes Flair auf, ähnlich wie es mir in Hamburg begegnet ist. Und das mit all den damit verbundenen sozialen Problematiken. Es ist halt eine wirkliche Metropole.

Allerdings habe ich es noch nicht gewagt, dort mit dem Fahrrad zu fahren. In fremden Städten brauche ich immer ein gewisses Maß an Bekanntheit, um mich mit dem Fahrrad orientieren zu können. Bei meinen bisherigen Besuchen ist mir aber immer wieder die Infrastruktur für Radfahrer aufgefallen.

Nun hat mich ein Artikel in dem Blog “A View From The Cycle Path” von David Hembrow und Mark Wagenbuur animiert, das nächste Mal Rotterdam mit dem Rad zu erkunden. Denn während wir in Deutschland die Problematik benutzungspflichtiger Radwege diskutieren, hat man dort breite Fahrradtrassen errichtet, die – vielfach zweispurig – die Möglichkeit bieten, entspannt bis zügig seinen Weg durch die Stadt zu finden. Ein Überholen ist problemlos möglich. Konfrontationen mit dem Autoverkehr finden kaum statt, da die Wege baulich von den parallel verlaufenden oftmals sehr breiten, mehrspurigen Autostraßen abgetrennt sind. Und es gibt Velorouten, um vom einem Ende der Stadt zum anderen zu gelangen. Dies sind keine Radwege, wie wir sie kennen, sondern ich würde sie als Radstraßen bezeichnen.

Interessanterweise hat die Stadt Rotterdam ein für die Niederlande unübliches Problem: Der Anteil der Radfahrer ist landesweit am geringsten. Zum einen mag der superb organisierte öffentliche Nahverkehr dafür verantwortlich sein (wo man z.B. ohne Ticket keine Strafe zahlen muss, sondern vom Schaffner ein Ticket verkauft bekommt und wo jeder Punkt in der Stadt mit Bus, Straßenbahn oder Metro gut zu erreichen ist). Zum anderen mag es eben die durch den Neuaufbau der Stadt nach dem zweiten Weltkrieg bedingte Verkehrsflächensituation sein. Sie fand primär nach amerikanischem Vorbild statt. Und das bedeutete auch eine geringe Berücksichtigung des Radverkehrs. Dies hat man in den vergangenen Jahren nachgeholt und versucht mit verschiedenen Mitteln, den Anteil der Radfahrer im Verkehrsmix zu erhöhen. Als jemand, der lange Jahre in Hamburg und Köln gelebt hat, empfinde ich die umgesetzten Maßnahmen dafür als sehr wegweisend. Rotterdam hat nebenbei erwähnt sogar einen Tunnel zur Unterquerung der Maas, der eine eigene Fahrradröhre aufweist.

Mein langfristiges Ziel ist es, einmal den Rheinradwanderweg zu befahren in Richtung Rotterdam und dort mit dem eigenen Rad unterwegs zu sein. Mal schauen…


Urlaub ohne Fahrrad

Zwei Wochen am Bodensee und wir haben uns doch kein Fahrrad ausgeliehen. Das Wetter hat nicht wirklich mitgespielt. Regenkleidung hatte ich nicht mitgenommen sowie auch keine Fahrradtaschen, um diese zu verstauen, wenn sie nicht gebraucht wird. Aber vielleicht brauchte ich auch eine Art Erholung, die sich im Wenig- bis Nichtstun ausdrückt. Statt mich mit dem Fahrrad fortzubewegen, habe ich die Bodenseeschiffe genutzt, die Landschaft genossen, Menschen beobachtet und Zeitung gelesen. Hinzu kommt, dass der Bodenseeradweg im August eher einen negativen weil überfüllten Eindruck macht. Viele Abschnitte des Weges nutzen Straßen, die vielleicht außerhalb der Urlaubssaison kaum befahren sind, aber zu Zeiten der Sommerferien stark frequentiert werden. Es war nicht wirklich attraktiv, den Radfernweg zu benutzen. Ich werde ihn deshalb eher im Frühjahr oder Herbst einmal wieder befahren. Das Schöne: Wieder zu Hause angekommen, habe ich das Fahren mit meinem eigenen Fahrrad sehr genossen.


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