Archiv der Kategorie: Persönliches

Anfahrpunkt fürs Gemüt (3)

Nach einem Einkauf bei IKEA machte ich mich neulich auf die Suche nach einem kleinen Tierpark im Stadtwald. Eine Freundin riet mir, dass ich mit meiner vierjährigen Nichte, die samt Eltern bald zu Besuch kommen sollte, dort sehr gut vorbeischauen könnte. Irgendwo überquerte ich die Aachener Straße und hoffte, auf die Kitschburger Straße zu kommen, in deren Nähe das Gehege zu finden sei. Sie war es aber nicht (ich war zu faul, um mit dem iPad meine genaue Position zu bestimmen). Also fuhr ich irgendwo ins Grüne. Ich landete auch im Stadtwald. Den Tierpark fand ich beim ziellosen Herumfahren zwar nicht, aber dafür eine kleine grüne Oase mit Wasser und Wasserspeier. Der Ort sprach mich sehr an, weshalb ich mich auf einer der vier Parkbänke niederließ, die einen wunderbaren Blick auf dieses Kleinod städtischen Teichwassers ermöglichen. Hier ließ es sich nicht nur aushalten sondern auch genießen. Zwar sind Autogeräusche im Hintergrund zu hören, aber das beständige Plätschern des Wasserspeiers, die Geräusche von im Wind bewegten Blättern der Bäume und das Lichtfunkeln des sich auf den Baumblättern reflektierenden Wassers relativieren sie sehr schnell. Eine Stunde geruhsamen Schauens auf Wasser und Grün!

Weitere Anfahrpunkte fürs Gemüt:


Alltagsradfahrer werden: Was braucht es dafür?

Auch im Alltag: Kurze Pause

Mal abgesehen davon, dass ich nie einen Führerschein gemacht habe: Ich denke, wer innerhalb Kölns unterwegs ist, braucht doch nicht wirklich ein Auto zu benutzen. Das Fahrrad ist tatsächlich für die Alltagswege geeignet. Wenn nun jemand das Auto stehen lassen möchte und auf das Fahrrad für die alltäglichen Wege umsteigen möchte: Was braucht es dafür? Hier einige Hinweise eines Tagtäglichfahrers (nachdem ich die äußerst anregenden Tipps von Andy gelesen habe).

  1. Benutze ein gutes Fahrrad, keines von der Kaufhausstange. Je billiger desto schwerer das Fahren über die Zeit und desto anfälliger das Material. Lege Dir Fahrradmäntel zu, die beim Überfahren von Scherben nicht gleich kleinbei geben. Benutze einen Sattel, der sich auch nach einer halben Stunde noch gut am Po anfühlt.  Habe eine Gangschaltung, die zu Deinem Fahrverhalten passt und die auch die kleinen Widerstände in der Stadt durch Anhöhen oder Wind mühelos erscheinen lässt. Benutze eine Lichtanlage, die Dir immer zur Verfügung steht ohne dass Du heftiger treten musst (z.B. angetrieben durch Nabendynamo).
  2. Lege Dir Fahrradtaschen zu, die Du seitlich am Gepäckträger aufhängen kannst. Das ist praktischer als ein Fahrradkörbchen. Eine Tasche kann alles enthalten, was Du für die Arbeit und das Fahren benötigst. Eine andere, optionale Tasche enthält genug Stauraum für die vielleicht notwendige Regenbekleidung (Regenjacke, Regenhose, Gamaschen; ja, man kann auch bei Regen fahren) und die Einkäufe, die Du ggf. auf dem Heimweg erledigen möchtest. Selbst ein kleiner IKEA-Markthallen-Einkauf ist meiner Erfahrung nach schnell zu verstauen.
  3. Verwende ein oder zwei Fahrradschlösser, die Dein Fahrrad gut schützen (am besten ein Bügelschloss als Hauptsicherung). Schließe das Rad möglichst an festen Gegenständen an (Fahrradbügel, einbetoniertes Straßenschild).
  4. Halte Dich an die Verkehrsregeln, fahre umsichtig und antizipiere das mögliche Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Dann ist auch ein Fahrradhelm nicht notwendig. Achte darauf, welche Radwege benutzungspflichtig sind (mit den blauen Schildern 237, 240 und 241 gekennzeichnet) und welche nicht. Wenn sie es nicht sind, kannst Du legal auf der Straße fahren und die Autofahrer können Dich viel besser wahrnehmen.
  5. Suche Abkürzungen/Wege durch Grünstreifen oder Parks. Das macht mehr Spaß und die Stadt wird sich Dir in ganz neuer Weise erschließen.
  6. Denke nicht wetterabhängig. Auch auf dem Fahrrad kannst Du Dich wettergemäß kleiden. Schwitzt Du viel bei Sonne, ziehe Funktionskleidung an, die Du z.B. am Arbeitsplatz wechseln kannst mit normaler Kleidung. Ist es kalt, ziehe Dir mehrere Schichten Kleidung an, die Du bei Bedarf auch wieder entfernen kannst, so dass es passt. Ist es regnerisch, benutze eine regenabweisende Jacke und passe Deine darunter liegenden Kleidungsschichten an. Wenn Du viel schwitzt ist es nur wichtig, dass beim Tragen von Funktionskleidung (die Feuchtigkeit/Schweiß abtransportiert) alle Schichten aus derartigen Funktionsstoffen bestehen; Baumwollschichten vereiteln den Effekt.
  7. Auch wenn die Auswahl und das Anlegen der wetterentsprechenden Kleidung manchmal lästig wirkt, erhöht sie doch den Genuss des Radfahrens. Und der Genuss wird dadurch gesteigert, dass Du am alltäglichen Autostau bequem vorbeifahren kannst.
  8. Ignoriere Idioten, die Dich anhupen, obwohl Du legal auf der Straße fährst.
  9. Klingele heftig, wenn Du Idioten begegnest, die den Radweg als Gehweg betrachten.
  10. Überhole langsamere Fahrradfahrer mit Bedacht. Klingeln oder Nichtklingeln ist eine Sache der Situation (obwohl man häufig falsch liegt).
  11. Genieße das Fahren an der frischen Luft – ohne Dach über dem Kopf und ohne schwitzende und lärmende Menschen in der Straßenbahn.

Vielleicht hören sich die Hinweise für die eine oder den anderen etwas zu technizistisch oder zu umständlich an. Diese Dinge habe ich selbst erst nach und nach entdeckt und umgesetzt. Man lernt mit der Fahrerfahrung viel dazu. Viel Vergnügen beim gesunden, adrenalinabbauenden und morgendlich-wachmachenden Radfahren!


Neue Erfahrung: Zielloses Umherfahren

Es fällt mir schwer, einfach so Radzufahren, ohne ein bestimmtes Ziel. Irgendwie braucht es immer ein Anliegen, um irgendwohin zu fahren. Neulich war es mal anders und für mich eine neue Erfahrung. Ich hatte spontanen Bewegungsdrang und musste etwas unternehmen, um unangenehme Gedanken im Zaum zu halten. So fuhr ich einfach mal los in Richtung Decksteiner Weiher. Diesen befuhr ich auf der westlichen Seite um weiter in Richtung Stadtwald zu fahren. Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung, wo ich genau entlang fuhr. So scherte ich später in einen eher als Trampelpfad zu bezeichnenden Weg ein und fuhr unter gelegentlichem Ducken aufgrund von herab hängenden Ästen einfach weiter. Irgendwie kam ich dann fast wieder an meinem Ausgangspunkt am Decksteiner Weiher an und pausierte an einer schön wirkenden Stelle. Enten, ein Steg im See und eine Parkbank luden mich zum Verweilen ein.

Auf diese Weise konnte ich einige Kilometer fahren durch mir noch nicht sehr bekanntes Kölner Grün. Und das für mich Neue war insbesondere, kein Ziel anzustreben sondern einfach herumzufahren – mit dem Gedanken, dass ich mich in Köln nicht wirklich verirren kann. Sicherlich werde ich nicht so schnell ein derartiges zielloses Unterfangen erneut umsetzen, aber es tat meinem Gemüt sehr gut.


Der Fahrradtasche Inhalt

Irgendwie wiegt meine Office-Tasche immer so viel. Was habe ich nur darin verstaut, so dass das Ganze so schwer ist? Ich weiß inzwischen, dass ich zum Sammeln und Aufbewahren neige. Aber in der Tasche, die ich täglich mit meinem Fahrrad herumkutschiere und anschließend auch noch zum Ziel tragen muss, sollte ja eigentlich nur das wirklich Notwendige enthalten sein. Deshalb habe ich mal ausgepackt, um den Inhalt zu überprüfen (was auch dazu führte, dass ich ein bisschen in der Tasche aufräumen konnte). Hier das Ergebnis, in zufälliger Reihenfolge:

  • Papiere
  • Brille
  • Geschenkgutschein für Odlo (ich weiß ja nicht, wann ich zum Einlösen komme)
  • iPad in Crumbler-Hülle
  • Datenstick
  • Handy
  • Portemonnaie
  • Schlüsselbund
  • Ricola Kräuterbonbons und Fisherman’s Friends-Dose
  • Feuerzeug und Zigaretten
  • Faltkopfhörer in runder Hülle
  • Sattelüberzüge (von Brooks und – weil gerade geschenkt bekommen – von Selle Royal)
  • Waschhandschuh (zum Abwischen des Schweißes)
  • Stirnband (ebenfalls gegen den Schweiß)
  • Fächer (gegen die Hitze am Zielort)
  • Feuchte Waschlappen in einer Dose (zum Reinigen der Hände)
  • Klettband für das Hosenbein
  • Radhandschuhe (wenn es mal regnet)
  • Luftpumpe
  • Fotoapparat (zum Dokumentieren des Erlebten)
  • Taschentücher
  • Kölner Innenstadtplan (wenn das iPad mal ausfällt und ich nicht weiter weiß)
  • Notizbuch
  • Kugelschreiber
  • Täschchen mit kleinem Spiegel, Handcreme, Bürste und Süßstoffspender
  • Speicherkartenkonnektor für Karte vom Fotoapparat und iPad (für das sofortige Importieren und Veröffentlichen von Fotos)
  • Konnektorkabel zum Verbinden des iPad mit einem Beamer
  • Sonnenbrille im Etui (nur im Frühling und Sommer)
  • Kleine Wasserflasche (manchmal)

Ergebnis der Überprüfung: Eigentlich ist alles unverzichtbar – ob wirklich dauernd benötigt oder nicht. Denn das Problem bei häufigem Aus- und Einräumen ist meiner Erfahrung nach, dass genau die Sachen immer fehlen, die gerade benötigt werden. Somit bleibt für zusätzliche Dinge leider kaum Platz. Ein kleines Buch, ein Apfel und ein belegtes Brot in der Tupperdose passen allerdings schon noch rein.

Und hier noch ein Blick in meine Back Roller-Tasche von Ortlieb, die ich auf dem Weg zur Arbeit, bei unbeständigem Wetter und beim Einkaufenmüssen immer zusätzlich mit mir führe:

  • Gamaschen (damit die Schuhe beim oder nach dem Regen nicht allzu nass und dreckig werden)
  • Regenhose
  • Regenjacke (für wenn ich keine besondere Jacke anhabe)
  • Tragegurt für die Tasche

Wenigstens in dieser Tasche bleibt ausreichend Platz, um Einkäufe zu verstauen.

Trotz all der Dinge, die ich mit mir herumführe (egal, wie notwendig man sie im Einzelnen findet) wird deutlich, dass zwei Taschen am Fahrrad im Alltag durchaus angebracht sind. Ob andere Radler auch so viel mit sich im Alltag herumtransportieren?


Anfahrpunkt fürs Gemüt (2)

In meiner nach wie vor nicht sehr angenehmen Gemütsverfassung ist mir das Radfahren eine gute Hilfe, nicht nur den Wind um die Nase geblasen sondern ebenso die Gedanken entwirrt zu bekommen. Und der Rhein bietet dabei –  wie ich vor einiger Zeit schon einmal berichtete – sehr angenehme Anfahrpunkte, um diese Gedankenentwirrung auf einer Bank sitzend zu unterstützen.

Neulich habe ich am Rheinufer Halt an einer Bank gemacht, die in direkter Nähe zur Hohenzollernbrücke steht. Sie war frei und auf der Nachbarbank saßen maximal zwei Personen, so dass die Sitzgelegenheiten in angenehmer Weise kaum bevölkert waren. Es war Nachmittag und die Sonne schien sehr schön auf die Brücke. Die inzwischen traditionell gewordenen Schlösser, die auf die ewige Verbundenheit von Liebenden hinweisen, glänzten angenehm im Lichte der Sonne. Menschen, die über die Brücke gingen oder mit dem Rad fuhren, konnten beobachtet werden. Den Blick auf den Rhein gewendet sah ich diverse Schiffe, Touristen oder Fracht transportierend. Auf der Rheinpromenade vor mir spazierten Menschen entlang, Alltags- und Reiseradler fuhren an mir vorbei. Liebende machten an der Balustrade Halt, umarmten und liebkosten sich. Das Rentenalter bereits längere Zeit erlebende Touristen eines anliegenden Rheinschiffes gingen in kleinen Gruppen an mir vorbei, machten in unmittelbarer Nähe Halt und ließen sich die Silhouette der Kölner Altstadt erläutern. Jugendliche Touristen platzierten sich in meiner Nähe auf einer kleinen Mauer, diskutierten das weitere Vorgehen und tauschten sich biertrinkend und musikhörend über ihre Erfahrungen aus. Geschäftsleute führten ihre Anzüge aus und nahmen einen Imbiss im Gehen zu sich. Kurzum: Es gab viel zu beobachten, während ich über meinen Kopfhörer wieder einmal eine interessante Zufallsmischung  der auf meinem iPad vorhandenen Musik hörte. Die Zeit verging einfach, sie war nicht wirklich relevant.

Ein Ort zum Wiederkehren. Und ein schöner Startpunkt, um auf dem Heimweg wieder entlang des Rheins zu radeln.


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