Archiv der Kategorie: Persönliches

Das neue Jahr pustet

Rheinhochwasser

Da pustet einen das neue Jahr richtig durch: Graue Wolken, sturmartige Böen, anfallsartiger Nieselregen und der Rhein erlebt auch ein Hochwasser. Nach den Feiertagen bin ich nun endlich wieder auf dem Fahrrad unterwegs zur Arbeit und genieße das eigentlich nicht besonders schöne Wetter. Obwohl es zu warm für diese Jahreszeit ist (was ich am Schwitzen unter meiner warmen Bekleidung bemerke) bläst mir ein kalter Wind entgegen, der das Umschalten auf das vordere leichtere Ritzel erwirkt. Weiterlesen


Fahrradliebe

Ich liebe mein Fahrrad! Das wird mir immer dann deutlich, wenn ich es einmal gerade nicht zur Verfügung habe, weil es in der Werkstatt ist. Der Gedanke, es würde gestohlen werden, löst bereits antizipierende Verlustgefühle aus. Rick Darge hat einen Kurzfilm veröffentlicht, der diese Gefühle in besonderer Weise zum Ausdruck bringt. Weiterlesen


Alltagsradler in der Straßenbahn: Enge

Der Alltagsradler ist mal wieder mit der Straßenbahn unterwegs. Und mir ist erneut bewusst geworden, weshalb ich lieber Fahrrad fahre als die öffentlichen Verkehrsmittel in Köln zu benutzen. Das Motto der Kölner Verkehrsbetriebe lautet ja “Wir bewegen Köln”. Das tun sie zwar auch. Aber die Bedingungen für mich als Fahrgast sind nicht sehr angenehm.

Enge, nicht entrinnbar

Mal abgesehen davon, dass die Fahrt zumeist länger dauert als im Fahrplan vorgesehen, weil sich mehrere Linien ein Gleis teilen – das eigentliche Problem sind so manche Menschen. So begegneten mir neulich Musik hörende Menschen, die in meiner Nähe Platz nahmen. Ich höre gerne Musik, aber nicht diese dumpf-klirrenden Klangreste aus den Kopfhörern Anderer. Und wie jedesmal führt das dazu, dass ich mir nahezu die ganze Fahrt über Gedanken mache, ob ich die für die akustische Luftverschmutzung verantwortliche Person anspreche oder andere Aktionen unternehme, um die Störung zu beseitigen. In solchen Momenten verfluche ich meine Agressionsgehemmtheit. Hinzu kommt das Erdulden von mir völlig fremden Menschen auf den Sitzplätzen neben oder vor mir. Meiner Erfahrung nach kann man den atmosphärischen Schwingungen der Menschen einfach nicht ausweichen. Und egal, wohin ich mich auch im Wagon setze, die Situation bleibt letztlich immer die gleiche.

Die theoretischen Überlegungen der Leibphänomenologie empfinde ich hier in der geschlossenen Situation eines Straßenbahnwagens ganz praktisch erfahrbar. Ich erlebe sie als eine Enge, der ich nicht entrinnen kann. Wobei es dabei sicherlich auch darauf ankommt, wie ich mich selbst in dem Moment fühle.


Anfahrpunkt fürs Gemüt (3)

Nach einem Einkauf bei IKEA machte ich mich neulich auf die Suche nach einem kleinen Tierpark im Stadtwald. Eine Freundin riet mir, dass ich mit meiner vierjährigen Nichte, die samt Eltern bald zu Besuch kommen sollte, dort sehr gut vorbeischauen könnte. Irgendwo überquerte ich die Aachener Straße und hoffte, auf die Kitschburger Straße zu kommen, in deren Nähe das Gehege zu finden sei. Sie war es aber nicht (ich war zu faul, um mit dem iPad meine genaue Position zu bestimmen). Also fuhr ich irgendwo ins Grüne. Ich landete auch im Stadtwald. Den Tierpark fand ich beim ziellosen Herumfahren zwar nicht, aber dafür eine kleine grüne Oase mit Wasser und Wasserspeier. Der Ort sprach mich sehr an, weshalb ich mich auf einer der vier Parkbänke niederließ, die einen wunderbaren Blick auf dieses Kleinod städtischen Teichwassers ermöglichen. Hier ließ es sich nicht nur aushalten sondern auch genießen. Zwar sind Autogeräusche im Hintergrund zu hören, aber das beständige Plätschern des Wasserspeiers, die Geräusche von im Wind bewegten Blättern der Bäume und das Lichtfunkeln des sich auf den Baumblättern reflektierenden Wassers relativieren sie sehr schnell. Eine Stunde geruhsamen Schauens auf Wasser und Grün!

Weitere Anfahrpunkte fürs Gemüt:


Alltagsradfahrer werden: Was braucht es dafür?

Auch im Alltag: Kurze Pause

Mal abgesehen davon, dass ich nie einen Führerschein gemacht habe: Ich denke, wer innerhalb Kölns unterwegs ist, braucht doch nicht wirklich ein Auto zu benutzen. Das Fahrrad ist tatsächlich für die Alltagswege geeignet. Wenn nun jemand das Auto stehen lassen möchte und auf das Fahrrad für die alltäglichen Wege umsteigen möchte: Was braucht es dafür? Hier einige Hinweise eines Tagtäglichfahrers (nachdem ich die äußerst anregenden Tipps von Andy gelesen habe).

  1. Benutze ein gutes Fahrrad, keines von der Kaufhausstange. Je billiger desto schwerer das Fahren über die Zeit und desto anfälliger das Material. Lege Dir Fahrradmäntel zu, die beim Überfahren von Scherben nicht gleich kleinbei geben. Benutze einen Sattel, der sich auch nach einer halben Stunde noch gut am Po anfühlt.  Habe eine Gangschaltung, die zu Deinem Fahrverhalten passt und die auch die kleinen Widerstände in der Stadt durch Anhöhen oder Wind mühelos erscheinen lässt. Benutze eine Lichtanlage, die Dir immer zur Verfügung steht ohne dass Du heftiger treten musst (z.B. angetrieben durch Nabendynamo).
  2. Lege Dir Fahrradtaschen zu, die Du seitlich am Gepäckträger aufhängen kannst. Das ist praktischer als ein Fahrradkörbchen. Eine Tasche kann alles enthalten, was Du für die Arbeit und das Fahren benötigst. Eine andere, optionale Tasche enthält genug Stauraum für die vielleicht notwendige Regenbekleidung (Regenjacke, Regenhose, Gamaschen; ja, man kann auch bei Regen fahren) und die Einkäufe, die Du ggf. auf dem Heimweg erledigen möchtest. Selbst ein kleiner IKEA-Markthallen-Einkauf ist meiner Erfahrung nach schnell zu verstauen.
  3. Verwende ein oder zwei Fahrradschlösser, die Dein Fahrrad gut schützen (am besten ein Bügelschloss als Hauptsicherung). Schließe das Rad möglichst an festen Gegenständen an (Fahrradbügel, einbetoniertes Straßenschild).
  4. Halte Dich an die Verkehrsregeln, fahre umsichtig und antizipiere das mögliche Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Dann ist auch ein Fahrradhelm nicht notwendig. Achte darauf, welche Radwege benutzungspflichtig sind (mit den blauen Schildern 237, 240 und 241 gekennzeichnet) und welche nicht. Wenn sie es nicht sind, kannst Du legal auf der Straße fahren und die Autofahrer können Dich viel besser wahrnehmen.
  5. Suche Abkürzungen/Wege durch Grünstreifen oder Parks. Das macht mehr Spaß und die Stadt wird sich Dir in ganz neuer Weise erschließen.
  6. Denke nicht wetterabhängig. Auch auf dem Fahrrad kannst Du Dich wettergemäß kleiden. Schwitzt Du viel bei Sonne, ziehe Funktionskleidung an, die Du z.B. am Arbeitsplatz wechseln kannst mit normaler Kleidung. Ist es kalt, ziehe Dir mehrere Schichten Kleidung an, die Du bei Bedarf auch wieder entfernen kannst, so dass es passt. Ist es regnerisch, benutze eine regenabweisende Jacke und passe Deine darunter liegenden Kleidungsschichten an. Wenn Du viel schwitzt ist es nur wichtig, dass beim Tragen von Funktionskleidung (die Feuchtigkeit/Schweiß abtransportiert) alle Schichten aus derartigen Funktionsstoffen bestehen; Baumwollschichten vereiteln den Effekt.
  7. Auch wenn die Auswahl und das Anlegen der wetterentsprechenden Kleidung manchmal lästig wirkt, erhöht sie doch den Genuss des Radfahrens. Und der Genuss wird dadurch gesteigert, dass Du am alltäglichen Autostau bequem vorbeifahren kannst.
  8. Ignoriere Idioten, die Dich anhupen, obwohl Du legal auf der Straße fährst.
  9. Klingele heftig, wenn Du Idioten begegnest, die den Radweg als Gehweg betrachten.
  10. Überhole langsamere Fahrradfahrer mit Bedacht. Klingeln oder Nichtklingeln ist eine Sache der Situation (obwohl man häufig falsch liegt).
  11. Genieße das Fahren an der frischen Luft – ohne Dach über dem Kopf und ohne schwitzende und lärmende Menschen in der Straßenbahn.

Vielleicht hören sich die Hinweise für die eine oder den anderen etwas zu technizistisch oder zu umständlich an. Diese Dinge habe ich selbst erst nach und nach entdeckt und umgesetzt. Man lernt mit der Fahrerfahrung viel dazu. Viel Vergnügen beim gesunden, adrenalinabbauenden und morgendlich-wachmachenden Radfahren!


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