Archiv der Kategorie: Allgemeines

Das neue Jahr pustet

Rheinhochwasser

Da pustet einen das neue Jahr richtig durch: Graue Wolken, sturmartige Böen, anfallsartiger Nieselregen und der Rhein erlebt auch ein Hochwasser. Nach den Feiertagen bin ich nun endlich wieder auf dem Fahrrad unterwegs zur Arbeit und genieße das eigentlich nicht besonders schöne Wetter. Obwohl es zu warm für diese Jahreszeit ist (was ich am Schwitzen unter meiner warmen Bekleidung bemerke) bläst mir ein kalter Wind entgegen, der das Umschalten auf das vordere leichtere Ritzel erwirkt. Weiterlesen


Wie oft fährst Du mit dem Fahrrad?

Vor einiger Zeit habe ich dieses neue Tool von Facebook ausprobiert und meine “Freunde” gefragt, wie oft sie mit dem Fahrrad fahren. Als Antwortmöglichkeiten standen zur Verfügung:

  • Nahezu täglich
  • Ein paar Mal im Monat
  • Fast gar nicht

Da ich nicht zu den Superusern gehöre, die 666 Freunde oder gar noch mehr aufweisen können, ist das N mit einer Anzahl von 35 Teilnehmenden natürlich nicht so groß, wenngleich die Frage auch ein wenig über meine Freundesgrenze hinaus verbreitet wurde. Aber die Antworten sind für mich dennoch interessant. Nach den Antworten fahren 12 der teilnehmenden Personen (34,3 %) nahezu täglich mit dem Fahrrad. Ein paar Mal im Monat nutzen 14 Personen (40 %) das Fahrrad. Neun Personen (25,7 %) nutzen es fast gar nicht.

Das entspricht auch so ungefähr dem Bild, das ich vom “klassischen Radfahrer” habe. In der Regel wird das Fahrrad nur einige Male – insbesondere bei schönem Wetter und bei kurzen Strecken – hervorgeholt und genutzt. Ein Viertel nutzt es fast gar nicht, was ich zwar als realistisch betrachte, aber dennoch schade finde. Eigentlich würde ich hier gerne mehr nachforschen: Für welche Gelegenheiten wird das Fahrrad genutzt? Und wie wirkt sich das Wetter auf die Verkehrsmittelwahl aus? Wird statt des Fahrrades eher das Auto genutzt oder öffentliche Verkehrsmittel?

Dagegen ist es ja ein gutes Drittel der Antwortenden auf meine kleine Anfrage, die angeben, nahezu täglich mit dem Fahrrad zu fahren. Hier würde mich schon sehr interessieren, ob ein anderes Verkehrsmittel zur Wahl steht. Oder inwieweit schlechtes Wetter oder die zurückzulegende Entfernung die Nutzung einschränkt. Die Strategien dieser Antwortendengruppe könnten hilfreich sein, um andere, noch unentschlossene oder zögerliche Radfahrer für eine häufigere Radnutzung zu gewinnen.

Interessant war auch der Kommentar eines Antwortenden, der zur Gruppe der ein paar Mal im Monat Fahrenden gehört: “Leider fahre ich nur zwei- oder dreimal die Woche abends bzw. am WE eine Tour, da mein Arbeitsort zu weit zum Hinradeln entfernt liegt. Aber wenn ich könnte, würde ich täglich…”.

Das Forscherherz in mir möchte jetzt eigentlich gerne weiter in der Tiefe nachbohren und die individuellen Möglichkeiten und Grenzen der Viel-, Wenig- und Garnichtfahrer ermitteln. Denn mir wäre es wichtig, Strategien zu ermitteln, wie jenseits von Plakataktionen und kurzfristigen sowie kaum bekannten Sommeraktionen engagierter Krankenkassen etc. die häufigere Nutzung des Fahrrades zu fördern wäre. Davon profitierten letztlich die einzelnen Menschen, der Verkehr und die Umwelt. Aber wen interessiert schon eine solche Forschung, die ja auch noch Geld kostete. Hach, bin ich zu idealistisch?


Einsame Schlösser

Ich fahre täglich an ihnen vorbei, erst heute habe ich sie bewusst wahrgenommen: Einsame Schlösser. Herren- und frauenlose Schlösser. Sie strahlen etwas Eigentümliches aus, weil sie sozusagen ihres Zweckes beraubt sind. Sie sind an Bankbeinen und Zaunstäben befestigt. Sie wirken einsam, weil ihnen etwas fehlt – nämlich das Fahrrad, das sie anschließen und vor Diebstahl schützen sollten. Stattdessen sind sie ohne das Gefährt an Gestängen angebracht. Solo wirken sie irgendwie fehl am Platze und unnütz.

Da spinnen sich gleich Geschichten in meinem Kopf. Denn wie kann es kommen, dass die Schlösser einsam an den Stangen befestigt sind? Sollen die Schlösser selbst vor Diebstahl geschützt werden? Sind sie vielleicht einem Handtuch auf Urlaubsinselstrandliegen gleichend Platzhalter für Fahrräder, die hier einen Stammparkplatz freihalten wollen? Sind die Fahrradrahmen und Vorder- oder Hinterräder, die sie dereinst sicherten, aufgesägt worden und die Schlösser stellen nur noch die traurigen Überbleibsel des gemeinen Raubs dar? Haben sie Scherzbolde als Verzierung des Städtischen absichtlich angebracht? Nehmen sie gar als Installationen den Status eines Kunstwerks im öffentlichen Raum ein?

So viele Fragen – gespeist aus dem einen Umstand, dass die einsamen Schlösser eines versinnbildlichen: Sinnlosigkeit.

Einsames Schloss 1

Einsames Schloss 2

Einsames Schloss 3


Das Fahrrad – Versuch einer Definition

Das Fahrrad – Versuch einer beschreibenden Definition (verfasst in einer warmen Sommernacht, die zum Nachdenken anregt):

Mit dem Begriff Zweirad, der noch insbesondere im gewerblichen Rahmen in der Bezeichnung Zweiradhandel Verwendung findet, wird die Grundausstattung des Gefährts, um das es hier geht, ziemlich genau ausgedrückt. Es handelt sich um ein Mittel zur Fortbewegung, das zwei Räder benutzt. Nun verkauft der Zweiradhandel auch motorisierte, mit Benzin oder Benzingemisch betriebene Gefährte. Vielleicht um dieser Verwechslung zu entgehen, ist heutzutage der Begriff des Fahrrads gebräuchlicher. Während die Benutzung eines Mofas oder eines Motorrads eine für den menschlichen Organismus eher passive Angelegenheit darstellt (es ist nahezu keine Kraft aufzuwenden), wird die körperliche Aktivität, die dem Fahrradfahren innewohnt, hierdurch deutlicher ausgedrückt. Der Wortteil Fahren expliziert diese Aktivität.

Im Begriff Fahrrad liegt darüber hinaus ein Imperativ verborgen. Die Verborgenheit spiegelt die Stille und Unaufdringlichkeit wider, mit der dieses Gefährt betrieben wird – frei von Lärm und motorinduziertem Gestank. Der Begriff Fahrrad will eigentlich ausrufen “FahrRad!”. Der Mensch ist aufgerufen, das Fahrrad zu benutzen und sich damit von der Fremdsteuerung durch Elektronik und Maschinen zu befreien, die mit der Benutzung anderer, sich derartiger Quellen bedienender Verkehrsmittel einhergeht. “FahrRad!” ist Ausdruck des Versprechens von Autonomie, die durch das Erleben des eigenen Körpers und der direkten Umwelt aufgrund der aktiven Benutzung und der regelmäßigen Geschwindigkeit dieses Zweirades erfahren werden kann.

Gleichzeitig steht das Fahrrad für die Aufrechterhaltung einer Homöostase, eines Gleichgewichts zwischen Mensch und Natur, zwischen Mensch und sozialem Umfeld sowie zwischen Naturachtung und Naturnutzung. Die englische Bezeichnung bicycle trägt diesem Gedanken in besonderer Weise Rechnung. Die Benutzung der Gefährte mit den zwei Rädern (bi) stellt einen gleichmäßigen Prozess und Kreislauf dar, geprägt von Regelmäßigkeit und Taktung (cycle).

Insofern stellt das Fahrrad nicht nur ein Verkehrsmittel dar, sondern ist gleichzeitig Ausdruck einer an Mensch und Umwelt orientierten Fortbewegung. Vorankommen bei gleichzeitiger Nicht-Ausbeutung natürlicher Ressourcen ist die Maxime der Fahrradbenutzung. Und vielleicht fristet das Fahrrad deshalb immer noch ein Nischendasein in unserer modernen Welt. Die Benutzung eines Fahrrads widersetzt sich des Gewinne maximierenden Credos verschiedener Wirtschaftszweige. Zum einen steht es aufgrund der Angebots- und Preisvielfalt einer breiten Menge von Menschen zur Verfügung, entsprechend des individuellen Geldbeutels. Die Folgekosten sind dabei überschaubar. Zum anderen kommt das Fahrrad mit wenig Mitteln aus, um dennoch für seine Zwecke maximal ausgerüstet zu sein. Das Fahrrad in seiner Form und Funktion ist bereits effizient. Verbesserungen technischer Art betreffen einzelne Komponenten, die das Gesamtkonstrukt jedoch nicht in Frage stellen. Somit stellt es das Gegenmodell eines Paradigmas dar, das gesellschaftliche und monetäre Zugewinne an die Spitze stellt, Exklusivität betont und auf eine exponentielle Effizienzsteigerung abzielt.

Schlussfolgernd ist festzustellen, dass aufgrund der benannten Perspektiven das Fahrrad als zutiefst ökologisches (in einem weiten Verständnis dieses Begriffs) und demokratisches Verkehrsmittel zu bezeichnen ist.


Rad im Ruhestand

Nachdem ich mir im Oktober letzten Jahres ein neues Fahrrad gekauft hatte, stand mein bisheriges unnütz und einsam im Fahrradkeller. Zum einen nahm es Platz weg. Zum anderen war es eigentlich noch ganz gut benutzbar. Lediglich die Bremsen funktionierten nicht mehr so gut, wie man es von ihnen erwartete (gleichwohl sie noch bremsten). In der Werkstatt sagte man mir, dass sich der Rahmen inzwischen verzogen hätte und “weich” geworden wäre und eine Neuinstallation von Bremsen die Sache nicht bessern würde. Das leuchtete mir ein, da das Fahrrad seinen Dienst immerhin gute 20 Jahre geleistet hatte.

Heute nun konnte ich das alte Fahrrad seiner Einsamkeit und Nutzlosigkeit entreißen. Eine Kollegin kaufte es mir für kleines Geld ab und wird es nun als sog. Besucherrad verwenden. So kann sie mit ihrem Besuch auch radelnd in Köln unterwegs sein. Ich freue mich, dass das Rad in gute Hände kommt und auf seine alten Tage noch einen Zweck erfüllt. Es ist ja auch noch gut ausgestattet mit einem ordentlichen Bügelschloss und einem kleinen Fahrradcomputer.

Abschied vom alten FahrradBei der Abholaktion fiel mir auf, dass ich gar kein Foto von dem Rad habe. Also war meine Kollegin so nett und fotografierte das Fahrrad noch schnell mit seinem vormaligen Besitzer. Wir haben Frankreich zusammen durchfahren, waren gemeinsam im Altmühltal und am Bodensee. Es brachte mich zur Arbeit. Adieu.


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