Räder ohne Räder

Parkende und herrenlose Fahrräder sind nicht nur der Unbill des Wetters ausgesetzt. Sie reizen gleichsam Menschen mit dem entsprechenden Potenzial zu Vandalismus und Diebstahl. Ich selbst habe glücklicherweise nur wenig leidvolle Erfahrungen in dieser Hinsicht machen müssen. Am eindrücklichsten ist mir in Erinnerung geblieben als ich im Jahr 1999 mein damaliges Fahrrad nach einer gescheiterten Beziehung längere Zeit an einem S-Bahnhof zurückließ und erst nach dem Einrichten meines neuen Domizils dazu kam, das Gefährt wieder abzuholen. Zerstörte Fahrradlampen und Reifen waren die Folge. Das war allerdings relativ harmlos im Vergleich zu den Diebstahlfolgen, die ich im neu begonnenen Jahr 2012 in der Kölner Innenstadt beobachten konnte.

Rad ohne Räder I

Fall eins betrifft ein am Rande einer wichtigen Durchgangsstraße an einem Straßenschild angelehntes Fahrrad. Bei ihm wurden beide Räder entfernt, der Sattel geklaut und sogar die Pedale entwendet. Als ich an dem Fahrrad vorbeifuhr und zum Fotografieren stoppte, stellte ich fest, dass es an dem Straßenschild nicht angeschlossen war. Anscheinend stellte der Rahmen keinen Wert für die Entwender dar, sonst hätten sie ihn sicherlich ebenfalls mitgehen lassen. In der wintergeprägten Parklandschaft an einem von Regengüssen verschlammt wirkenden Wegesrand machte dieses Fahrradgerippe einen sehr traurigen Eindruck. Die am Boden liegende rostige Kette ließ vermuten, dass das Fahrrad sowieso schon länger nicht mehr gepflegt wurde. Vielleicht hat es der Besitzer dort auch gar nicht abgestellt, sondern es wurde von den Ersatzteilbeschaffern nach getaner Demontierarbeit dort abgelegt. Ein garstiges Ende für ein Fahrzeug, dass sicherlich gute Dienste geleistet hatte.

Rad ohne Räder II

Fall zwei habe ich am Rande einer Fußgängerzone gesichtet. An einer Fahrradabstellanlage mit sicherlich 10 sog. Haarnadeln zum Anschließen von Rädern (die ich sehr gerne benutze, weil dort nicht so viele Räder parken wie an anderen Städten in diesem Innenstadtbereich) entdeckte ich ein ebenso räderloses Fahrrad. Zunächst überlegte ich in aller gebotenen Naivität, ob der Besitzer Vorder- und Hinterrad zwecks Diebstahlschutz selbst mitgenommen hätte. Schließlich war das Fahrrad am Haarbügel angeschlossen und es machte keinen verwitterten Eindruck. Bei genauerem Hinsehen hatte ich jedoch den Eindruck, dass die Räder eher von anderen Menschen entwendet wurden und der Besitzer bei Wiederkehr schauen kann, wie er das Gerippe fort transportiert. Wenn dies der Fall ist zeigt sich, dass es wahrscheinlich Schnellverschlüsse dem Dieb leicht gemacht haben, die mitunter wertvollsten Teile des Fahrrades zu entwenden; das alleinige Anschließen des Rahmenrohres ist in solchen Fällen nicht ausreichend.

Beim Anblick derartiger Fahrradreste und wenn ich mir negative Energie vorstelle, die dazu führte, fällt mir der Song “Madness” von Elton John ein, wo es am Ende heißt:

And it’s madness, every time a victim dies
There is madness, burning in a blind man’s eyes
And it’s madness, hidden in the hate and pain
There is madness, burning in a wild man’s brain

And it’s madness, every time the bullets start
There is madness, burning in a poor man’s heart
And it’s madness, something that we can’t control
There is madness, burning in a madman’s soul, madness

Ich hoffe das Beste für mein eigenes Gefährt…

Über Roland Brühe

Pflegewissenschaftler, Popmusikhörer, Radfahrer, Hobbykoch und Genießer Zeige alle Beiträge von Roland Brühe

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