
Gefährliche Kreuzung
Eine der Hauptverkehrsschneisen in Köln ist die Luxemburger Straße. Auf meinen täglichen Wegen benutze ich regelmäßig ein Stück dieser Straße, deren Fahrbahn für jede Fahrtrichtung zwei Spuren aufweist. Vielfach gibt es auch keinen Radweg, so dass die Radfahrer auf der Fahrbahn fahren (müssen/dürfen – je nach eigenem Empfinden). Dabei stößt mir eine Kreuzung immer ziemlich sauer auf, wenn ich auf sie zufahre. Es handelt sich dabei um das Zusammentreffen der Luxemburger Straße mit der Weißhausstraße und der Universitätsstraße. Schon lange wollte ich über dieses Unmut bereitende Junktim dreier Straßen berichten. Gestern habe ich nun mit der Kamera einige Fotos angefertigt, mit deren Hilfe ich die Situation in diesem Bereich dokumentieren möchte.
Mehrere Gefahrenpunkte für alle Verkehrsteilnehmer lassen sich an dieser Stelle ausmachen. Der Kreuzungsbereich zeigt meines Erachtens, wie gedankenlos der Radverkehr mal eben so “geführt” wird. Da es an vielen Stellen Kölns ähnliche Gefahrenpunkte gibt, möchte ich im Folgenden exemplarisch das Gefahrenpotential dieser Kreuzung differenzierter betrachten.

Übersicht Kreuzungsbereich
Gefahrenpunkt A

Gefahrenpunkt A
Vom Süden kommend trifft der Radfahrer auf einen Kreuzungsbereich, der dazu zwingt, sich am rechten Fahrbahnrand aufzustellen – auch wenn man geradeaus fahren möchte. Die Linienführung auf dem Übergang zur Weißhausstraße weist für Radfahrer eine separate Spur aus sowie eine Ampelanlage, die ein Fußgänger- und Radfahrersymbol anzeigt. Das Problem ist das Aufstellen und Einordnen. Ich muss mich dort aufstellen, wo es die nach rechts abbiegenden Autos tun. Dann muss ich die Fahrbahn verlassen, um über die Verkehrsinsel auf die andere Straßenseite zu gelangen. Dort führt ein benutzungspflichtiger Radweg den Radfahrer auf der Luxemburger Straße weiter. Ich erlebe den Einfädelungsvorgang von der Fahrbahn auf die Wegemarkierung für Radfahrer als sehr unsicher. Nicht selten achten Autofahrer eher auf die querenden Fußgänger als auf die geradeaus weiterfahrenden Radfahrer. An dieser Stelle wäre eine eindeutigere Radwegeführung notwendig, bspw. in Form eines eigenen Aufstellbereiches vor den haltenden Autos und eine Wegemarkierung, die den Zugang zum benutzungspflichtigen Radweg auf der anderen Straßenseite erleichtert. Wenngleich ich mir die Frage stelle, warum dort eine Radwegebenutzungspflicht besteht und an anderen Stellen der Straße nicht – das Verkehrsaufkommen ändert sich schließlich nicht.
Gefahrenpunkt B

Gefahrenpunkt B
Zumeist möchte ich nach Überqueren der Weißhausstraße nach links abbiegen. Dies ist an dieser Stelle für kein Fahrzeug möglich, weshalb ich mich auf der anderen Straßenseite aufstelle, um die Radfahrer- und Fußgängerquerung der Luxemburger Straße zu benutzen. Allerdings ist es nicht sehr einfach, sich dort aufzustellen. Irgend jemandem stehe ich immer Weg. Sei es den Fußgängern, die über die Kreuzung gehen; sei es den Radfahrern, die geradeaus weiterfahren möchten (benutzungspflichtiger Radweg, s.o) oder von der Weißhausstraße kommend nach rechts abbiegen wollen. Es gibt also immer ein Kuddelmuddel an dieser Kreuzungsecke. Hier ist eine besondere Rücksicht der Radfahrer und Fußgänger untereinander gefordert, die leider nicht immer gegeben ist (ein positives Beispiel stellt der Radfahrer auf dem unteren Bild dar, der den von dem Überweg kommenden Fußgänger passieren lässt).
Gefahrenpunkt C

Gefahrenpunkt C
An der Kreuzungsecke, die vom hohen Gebäude des Unicenters dominiert wird, kommt der kleinen Verkehrsinsel eine Unfall provozierende Funktion zu. Radfahrer, die von Norden kommend die Luxemburger Straße auf dem benutzungspflichtigen Radweg befahren und auf dieser Straße geradeaus weiter fahren möchten, müssen die Rechtsabbiegerspur queren, die den Autos vorbehalten ist. Anstatt also geradeaus weiterfahren zu können, bedarf es eines faktischen Linksabbiegens auf die Verkehrsinsel. Die gleiche für Fahrradfahrer aufgemalte Spur befahren allerdings auch Radler, die aus Richtung der Weißhausstraße kommend geradeaus auf der Universitätsstraße weiterfahren wollen. So manche Kollision zwischen Radfahrern wird durch diese ungeregelte und unsichere Situation begünstigt und verlangt erhöhte Aufmerksamkeit von allen diese Verkehrsinsel befahrenden und passierenden Verkehrsteilnehmern. Darüber hinaus scheint die Rechtsabbiegerspur für Autofahrer nicht unbedingt einfach zu überblicken zu sein, wie mein Unfall vor längerer Zeit zeigte.
Gefahrenpunkt D

Gefahrenpunkt D
An der Ecke, die inzwischen von einem Supermarkt optisch und passantenmäßig dominiert wird, wird eine weitere Fehlplanung deutlich. Die bereits eben erwähnten Radfahrer, die auf der Luxemburger Straße weiter geradeaus in Richtung Süden fahren möchten, müssen eine weitere Verkehrsinsel passieren; von dort müssen sie sich auf die Fahrbahn einfädeln. Allerdings kann es hier ebenfalls zu Kollisionen zwischen Radfahrern kommen, denn Radler aus Richtung der Universitätsstraße müssen ebenfalls die Verkehrsinsel nach Passieren der Rechtsabbiegespur befahren, um auf die Weißhausstraße zu kommen. Nun weist diese Straße einen fahrbahnbegleitenden Radweg auf, dessen Benutzungspflicht allerdings aufgehoben wurde. Der Verkehrsführung nach müssen Radfahrer allerdings am gemeinsamen Übergang für Radfahrer und Fußgänger auf das Grünlicht der Ampel warten, um die Luxemburger Straße zu überqueren. Nach der Querung gibt es jedoch keine Möglichkeit, sich sicher auf die Fahrbahn einfädeln zu können. Ein abmontiertes Verkehrszeichen zur Aufhebung der Benutzungspflicht ist nicht ausreichend, um die Möglichkeit der Fahrbahnbenutzung sicher zu gestalten. Wenn ich diese Stelle passiere, stelle ich mich – soweit es möglich ist – bereits vor der Querung auf der Fahrbahn auf, um sicher geradeaus fahren zu können (auch wenn dies so manche Autofahrer irritiert). Andernfalls besteht ausschließlich die Möglichkeit, dass ich mich nach dem Überqueren des Radler-Fußgänger-Übergangs seitlich der Fahrbahn aufstelle und abwarte bis kein Auto mehr kommt.
Soweit eine kleine – und sicherlich nicht vollständige – Analyse dieser Kreuzungssituation. Insgesamt betrachtet stellt die Fülle an Gefahrenstellen für mich eine nicht hinnehmbare Situation dar. Im Oktober 2009 beschrieb ich deshalb dem Büro des Fahrradbeauftragten der Stadt Köln bereits die Problematik in einer E-Mail. Zwar erhielt ich relativ zeitnah die Antwort, dass in Sülz und Klettenberg die Verkehrssituation untersucht werden würde und man entsprechende Maßnahmen plane; an dieser Stelle ist bislang (nach knapp zwei Jahren!) allerdings überhaupt nichts passiert. Und auf meine neuerliche Anfrage vom 6. September 2011, was in diesem Kreuzungsbereich nun konkret zur Verbesserung geplant sei, erhielt ich bislang keine Antwort.
Vorläufiges, von Fatalismus geprägtes Fazit: “Verkehr ist, wenn man trotzdem lebt.” (Siegfried Sommer)


16. September 2011 um 00:15
Interessant wären Unfallstatistiken von der Kreuzung. Da müsste man doch auch über das IFG herankommen.
16. September 2011 um 15:15
Eine Unfallstatistik von der Kreuzung habe ich beim Googeln auf Anhieb nicht gefunden. Dafür aber eine interessante Statistik der Polizei Köln über Verkehrsunfälle im ersten Halbjahr 2011. Die Überschrift lautet: “Hoher Anstieg bei den verletzten Radfahrerinnen und Radfahrern im ersten Halbjahr 2011 in Köln”. Nachzulesen ist das ganze hier: -> http://www.polizei-nrw.de/koeln/start/statistik/verkehr-1/artikel/article/verkehrsunfallstatistik-1hj2011-20110801.html
16. September 2011 um 21:46
Danke für den Link. Interessant wäre es jetzt noch zu wissen, wie sich die nach Angaben des Fahrradbeauftragten der Stadt Köln erhöhende Anzahl von Radfahrern in Köln auf die prozentualen Veränderungen der von der Polizei genannten Statistik auswirken.