Manchmal muss man doch hartnäckig bleiben und nachhaken. Wie ich vor längerer Zeit berichtete, ist mir der “Fahrradständer” vor meinem Lieblings-REWE-Markt ein Dorn im Auge, so dass ich auch schon einen Mitarbeiter darauf angesprochen hatte. Über die vergehende Zeit hinweg tat sich gar nichts. Dann wurde es mir – wie man so schön sagt – zu bunt. Vor sechs Wochen schrieb ich eine E-Mail an die Zentrale des Filialinhabers:
Sehr geehrte Damen und Herren,
erlauben Sie mir als treuen Kunden Ihres Marktes in Köln-Klettenberg einen Nahezu täglich fahre ich den Markt mit dem Fahrrad an. Bereits vor längerer Zeit hatte ich einen Ihrer Mitarbeiter darauf angesprochen, dass der sich vor dem Markt befindende Fahrradständer eine nur unzulängliche Güte hinsichtlich der Radsicherheit aufweist (siehe dazu meinen Beitrag im Blog “Alltag eines Radfahrers”: [...]). Diese oft “Felgenknicker” genannten Fahrradständer können zum einen bei ungünstigen Abstellkonstellationen die Felge der eingestellten Räder knicken. Zum anderen ist es nicht möglich, das Fahrrad mit dem Rahmen an dem Fahrradständer anzuschließen. Dies erhöht die Diebstahlgefahr und führt bei erfolgtem Diebstahl dazu, dass eine Diebstahlversicherung aufgrund unzulänglicher Sicherung nicht zahlt.
Da seit meinem Hinweis an Ihren Mitarbeiter bereits einige Zeit vergangen ist, wende ich mich heute mit dieser E-Mail an Sie. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die Aufstellung einer Fahrradabstellanlage prüfen könnten, die sowohl fahrradfreundlich als auch vor Diebstahl schützend gestaltet ist (z.B. in Form von Radbügeln, sog. Haarnadeln). Vielleicht helfen Ihnen die Hinweise des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) weiter, der zu diesem Thema unter der Internetadresse [...] Material bereitstellt. Ein Hinweisblatt habe ich mir erlaubt, dieser E-Mail anzuhängen.
Über eine verbesserte Abstell- und Anschlussmöglichkeit für mein Fahrrad vor Ihrem Markt würde ich mich (und wahrscheinlich auch viele andere Ihrer Kunden, die mit dem Rad anfahren) sehr freuen. Dies wärde die Servicequalität, die bei Ihnen sehr schätze, noch deutlicher steigern (entsprechend Ihres Mottos: Jeden Tag ein bisschen besser).
Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für meinen Vorschlag genommen haben!
Freundliche Grüße sendet Ihnen
Roland Brühe
Vier Wochen geduldete ich mich und nachdem immer noch keine Reaktion erfolgte, schrieb ich eine erneute E-Mail, in der ich auf die vorherige hinwies. Zwei Wochen später – und immer noch ohne Antwort – verfasste ich dann einen Brief. Der Wortlaut entsprach mehr oder weniger der ersten E-Mail. Ich gab den Brief persönlich im Büro des Marktes ab.
Und siehe da: Schon am kommenden Tag meldete sich der Marktleiter bei mir am Telefon. Der Filialinhaber habe ihn beauftragt, mich anzurufen. Die E-Mail habe er leider erst spät vorgelegt bekommen. Meinen Vorschlag nähmen sie sehr ernst. Für das kommende Jahr seien umfangreichere Umbauarbeiten am Filialgebäude geplant; in diesem Rahmen werden sie eine angemessene Fahrradabstellanlage installieren. Der Marktleiter wirkte bei dem sehr freundlichen Telefonat sehr verbindlich.
Freunde von mir gaben mir in der letzten Zeit zu verstehen, dass sie mein Ansinnen und meine schriftlichen Aktivitäten in so einer wohl banalen Sache als übertrieben betrachteten. Nun, ich hätte diesen ganzen Schriftverkehr auch nicht begonnen, wenn es mir nicht wichtig wäre, mein Fahrrad vor dem Supermarkt ordentlich parken zu können. Und darüber hinaus ging es mir auch um das Prinzip. Als Kunde lasse ich dort viel Geld; Serviceorientierung und Kundenfreudlichkeit werden bei REWE überall propagiert. Dann erwarte ich als Kunde auch, dass man sich mit meinem Vorschlag befasst. Alles andere wäre überaus ärgerlich.
REWE-Richrath jedenfalls hat reagiert. Und das in einer Weise, die ich akzeptieren kann. Auch wenn ich die eigentlich nicht akzeptablen Fahrradabstellmöglichkeiten bis zur Umgestaltung weiterhin erdulden muss.
*) Das Foto zeigt den REWE-Markt am “Reibekuchentag”. Der Abstellplatz für Fahrräder befindet sich vor der Fensterscheibe. Die Felgenknickeranlage steht links vom Verkaufswagen. Wenn dieser Wagen und seine im Fahrradparkbereich aufgestellten Bistrotische nicht da sind, ist wenigstens noch Platz für mehr Fahrräder, allerdings ohne jede Möglichkeit zum Anschließen mit einem Schloss.



13. August 2011 um 22:26
der Autoparkplatz ist ja auch ordentlich geteert, die Autoabstellanlagen waren bestimmt teurer als die Radabstellanlagen; zumal sie den innenstaettisch knappen platz verbrauchen.
13. August 2011 um 22:38
Ich bin sehr gespannt, wie eine Fahrradabstellanlage verwirklicht werden wird. In der Tat ist die Parkfläche für Autos für einen Supermarkt riesengroß (ebenerdig und auf einem darüber liegendne Parkdeck). Dies ist (relativierend angeführt) das Erbe des früheren Besitzers (der Markt hieß mal “Suti”). Insofern bin ich wirklich gespannt, wie und wo man die verbesserten Parkmöglichkeiten für Radfahrer im nächsten Jahr realisieren wird. Da ich nahezu jeden Tag in dem Supermarkt bin, werde ich ich es ja mitbekommen.
15. August 2011 um 12:36
Mir gefällt besonders, dass du sie an ihrem eigenen Motto gepackt hast.
Hoffentlich wird dann was draus. Könnte dann ja auch als gutes Beispiel für andere Märkte gelten. Ich kenne nur Felgenklemmer vor Supermärkten.
16. August 2011 um 06:52
Ich finde deinen Einsatz nicht übertrieben. Schließlich sind Radfahrer auch Kunden. Die könnten sich ja sonst auch einen anderen Supermarkt suchen, wenn die Abstellmöglichkeiten nicht zufriedenstellend sind.
Nico