Monatsarchiv: August 2011

Alltagsradler in der Straßenbahn: Enge

Der Alltagsradler ist mal wieder mit der Straßenbahn unterwegs. Und mir ist erneut bewusst geworden, weshalb ich lieber Fahrrad fahre als die öffentlichen Verkehrsmittel in Köln zu benutzen. Das Motto der Kölner Verkehrsbetriebe lautet ja “Wir bewegen Köln”. Das tun sie zwar auch. Aber die Bedingungen für mich als Fahrgast sind nicht sehr angenehm.

Enge, nicht entrinnbar

Mal abgesehen davon, dass die Fahrt zumeist länger dauert als im Fahrplan vorgesehen, weil sich mehrere Linien ein Gleis teilen – das eigentliche Problem sind so manche Menschen. So begegneten mir neulich Musik hörende Menschen, die in meiner Nähe Platz nahmen. Ich höre gerne Musik, aber nicht diese dumpf-klirrenden Klangreste aus den Kopfhörern Anderer. Und wie jedesmal führt das dazu, dass ich mir nahezu die ganze Fahrt über Gedanken mache, ob ich die für die akustische Luftverschmutzung verantwortliche Person anspreche oder andere Aktionen unternehme, um die Störung zu beseitigen. In solchen Momenten verfluche ich meine Agressionsgehemmtheit. Hinzu kommt das Erdulden von mir völlig fremden Menschen auf den Sitzplätzen neben oder vor mir. Meiner Erfahrung nach kann man den atmosphärischen Schwingungen der Menschen einfach nicht ausweichen. Und egal, wohin ich mich auch im Wagon setze, die Situation bleibt letztlich immer die gleiche.

Die theoretischen Überlegungen der Leibphänomenologie empfinde ich hier in der geschlossenen Situation eines Straßenbahnwagens ganz praktisch erfahrbar. Ich erlebe sie als eine Enge, der ich nicht entrinnen kann. Wobei es dabei sicherlich auch darauf ankommt, wie ich mich selbst in dem Moment fühle.


Anfahrpunkt fürs Gemüt (3)

Nach einem Einkauf bei IKEA machte ich mich neulich auf die Suche nach einem kleinen Tierpark im Stadtwald. Eine Freundin riet mir, dass ich mit meiner vierjährigen Nichte, die samt Eltern bald zu Besuch kommen sollte, dort sehr gut vorbeischauen könnte. Irgendwo überquerte ich die Aachener Straße und hoffte, auf die Kitschburger Straße zu kommen, in deren Nähe das Gehege zu finden sei. Sie war es aber nicht (ich war zu faul, um mit dem iPad meine genaue Position zu bestimmen). Also fuhr ich irgendwo ins Grüne. Ich landete auch im Stadtwald. Den Tierpark fand ich beim ziellosen Herumfahren zwar nicht, aber dafür eine kleine grüne Oase mit Wasser und Wasserspeier. Der Ort sprach mich sehr an, weshalb ich mich auf einer der vier Parkbänke niederließ, die einen wunderbaren Blick auf dieses Kleinod städtischen Teichwassers ermöglichen. Hier ließ es sich nicht nur aushalten sondern auch genießen. Zwar sind Autogeräusche im Hintergrund zu hören, aber das beständige Plätschern des Wasserspeiers, die Geräusche von im Wind bewegten Blättern der Bäume und das Lichtfunkeln des sich auf den Baumblättern reflektierenden Wassers relativieren sie sehr schnell. Eine Stunde geruhsamen Schauens auf Wasser und Grün!

Weitere Anfahrpunkte fürs Gemüt:


“Ab in den Sack!”: Vorschriftzeichen für den Radverkehr

Die Stadt Köln ist dabei, den Schildawald Schilderwald zu überdenken. Wie der Kölner Stadtanzeiger vermeldet, läuft im Stadtteil Brück derzeit ein Projekt namens “Ab in den Sack”, in dessen Rahmen der Schilderwald gelichtet werden soll. Zu diesem Zweck werden Verkehrsschilder, die als möglicherweise überflüssig identifiziert wurden, mit weißen Plastiksäcken überstülpt. In der vierwöchigen Testphase haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, ihre Erfahrungen mit den nun nicht mehr gültigen Verkehrsschildern rückzumelden. Unter der Adresse schilderwald@stadt-koeln.de ist dies möglich.

Nun wohne ich nicht in Brück sondern in Sülz. Dieses Projekt wünsche ich mir ebenfalls in meinem Stadtteil, so wie es seit 2005 bereits in Porz-Langel, Fühlingen, dem Gereonsviertel, Merkenich und Heimersdorf durchgeführt wurde.

Den Inhalt meiner E-Mail an die eingerichtete E-Mail-Adresse der Stadt Köln wüsste ich schon: Alle Verkehrsschilder, die das Radfahren auf Sonderwegen (“Radwegen”) anordnen oder das Radfahren verbieten gehören “ab in den Sack”! Wenn alle Radfahrer einfach auf der Straße fahren dürften (und nur die, die es unbedingt wollten, den noch vorhandenen Radweg benutzten), würde sich sicherlich manche jetzt problematische Situation entspannen und das Miteinander von Auto- und Fahrradverkehr gefördert werden. Es wäre dann überaus interessant, von den Erfahrungen aller Verkehrsteilnehmer zu erfahren, die an die Stadt Köln gesendet werden.

Aber vielleicht fahre ich in der kommenden Woche einfach mal nach Brück. Dort kann ich dann zum einen sehen, wo welche Schilder verhängt wurden und zum anderen meine Erfahrungen damit machen. Die übermittle ich der Stadt Köln dann per E-Mail.

Bis zum 25. September 2011  dauert die Testphase. Die Stadt Köln teilt auf ihrer Internetseite mit, dass sie sich auf Hinweise und Anregungen freut.


Rauchen gefährdet Fahrradtaschen: Brandlochabdichtung

Rauchen kann nicht nur die Gesundheit gefährden sondern auch die Materialintegrität von Fahrradtaschen. Als ich neulich bei starkem Regen unter einem schmalen Vordach in der Kölner Innenstadt verweilte, um vor einem Termin eine Zigarette zu rauchen, ereilte mich das Unglück. Meine Ortlieb-Office-Tasche erlitt ein Brandloch. Ob es nun die Glut meiner Zigarette oder die meines “Rauchnachbarn” war, mag ich nicht zu beurteilen.

Tatsache war, dass die Tasche ein “Leck” aufwies. Und da die Tasche vielerlei Güter transportiert, die mitunter nässeempfindlich sind, musste dieses Loch abgedichtet werden. Bei Globetrotter bestellte ich mir ein “Emergency Kit”, mit dessen Hilfe ich das klassische Ortlieb-Taschenmaterial wieder wasserdicht machen könnte.

Nun habe ich es endlich angewendet und bin mit der Handhabung und dem Ergebnis sehr zufrieden. Innenfläche anrauen, Kleber auf das Taschenmaterial rund um das Loch sowie am Rand eines der transparenten Flicken auftragen, kurz warten und dann den Flicken aufbringen. Als einzige Herausforderung gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Gewicht, das für zwei bis drei Stunden auf den Flicken gestellt werden musste zur Sicherstellung der Haftung. Da ich keine Gewichte besitze, wie sie für traditionelle Waagen verwendet werden, musste ich meinen Haushalt durchsuchen. Letztlich verwendete ich meinen zinkenen Fleischwolf in seiner Verpackung und stellte noch drei Kochtöpfe darauf. Dies funktionierte sehr gut.

Nun habe ich endlich wieder eine abgedichtete Office-Tasche. Und ich nehme mich seit dem “Brandereignis” in acht, wenn in direkter Nähe einer meiner Taschen eine Zigarette geraucht wird – von mir oder anderen Personen.


Blendwerk “Sicherheitskampagne”

Er wirkt wie ein Stück Verkehrserziehung für Autofahrer: Der Hinweis auf einer großen Verkehrsinformationstafel (sog. Vario-Tafel) am Niederländer Ufer. “Vorsicht beim Abbiegen  - Radfahrer beachten” ist dort in großen Lettern zu sehen. Die Stadt Köln hatte bereits im Mai darüber informiert, dass sie über die Sommermonate mehrere Hinweise auf Vario-Tafeln einblenden wird. Nun ist mir auch mal einer dieser Hinweise begegnet.

Auf dem ersten Blick erscheint die als “Sicherheitskampagne” bezeichnete Maßnahme für Radfahrer sinnvoll, zumal sie in den schönen Monaten des Jahres in größerer Anzahl als sonst unterwegs sind. Bei weiterem Nachdenken entpuppt sich die Aktion jedoch als Blendwerk.

Hinweise auf selbstverständliches Fahrverhalten (Vorsicht beim Abbiegen, Seitenabstand einhalten und Schulterblick gegen den toten Winkel) gehören eigentlich in die Fahrschule und nicht auf öffentliche Informationstafeln. Der Umstand, dass derartige Verhaltenshinweise auf den Vario-Tafeln von der Stadt Köln geschaltet werden weist vielmehr darauf hin, dass die Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur nur unzureichend ein sicheres Miteinander aller Verkehrsteilnehmer gewährleistet. Die “Sicherheitskampagne” der Stadt Köln ist in Wahrheit ein Verschieben von Verantwortung und damit auch von Haftung: Weg von den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung (insbesondere im Amt für Straßen und Verkehrstechnik) hin zum Autofahrer und (was aus anderen Gegebenheiten deutlich wird) zum Radfahrer. Damit haben die leuchtenden Hinweise den gleichen Charakter wie die bekannten Hinweise unter roten Dreiecken, die Wege- oder Straßenschäden ausweisen. Es ist halt billiger, Leuchtreklame einzusetzen als sichere Straßenführungen einzurichten.


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