Der Alltagsradler ist mal wieder mit der Straßenbahn unterwegs. Und mir ist erneut bewusst geworden, weshalb ich lieber Fahrrad fahre als die öffentlichen Verkehrsmittel in Köln zu benutzen. Das Motto der Kölner Verkehrsbetriebe lautet ja “Wir bewegen Köln”. Das tun sie zwar auch. Aber die Bedingungen für mich als Fahrgast sind nicht sehr angenehm.
Mal abgesehen davon, dass die Fahrt zumeist länger dauert als im Fahrplan vorgesehen, weil sich mehrere Linien ein Gleis teilen – das eigentliche Problem sind so manche Menschen. So begegneten mir neulich Musik hörende Menschen, die in meiner Nähe Platz nahmen. Ich höre gerne Musik, aber nicht diese dumpf-klirrenden Klangreste aus den Kopfhörern Anderer. Und wie jedesmal führt das dazu, dass ich mir nahezu die ganze Fahrt über Gedanken mache, ob ich die für die akustische Luftverschmutzung verantwortliche Person anspreche oder andere Aktionen unternehme, um die Störung zu beseitigen. In solchen Momenten verfluche ich meine Agressionsgehemmtheit. Hinzu kommt das Erdulden von mir völlig fremden Menschen auf den Sitzplätzen neben oder vor mir. Meiner Erfahrung nach kann man den atmosphärischen Schwingungen der Menschen einfach nicht ausweichen. Und egal, wohin ich mich auch im Wagon setze, die Situation bleibt letztlich immer die gleiche.
Die theoretischen Überlegungen der Leibphänomenologie empfinde ich hier in der geschlossenen Situation eines Straßenbahnwagens ganz praktisch erfahrbar. Ich erlebe sie als eine Enge, der ich nicht entrinnen kann. Wobei es dabei sicherlich auch darauf ankommt, wie ich mich selbst in dem Moment fühle.






