Heute war ich zum ersten Mal bei einer Critical Mass in Köln dabei. Ich bin extra eine Viertelstunde früher am Treffpunkt gekommen; vielleicht würde ich ja jemanden treffen, den ich kenne. Dies war zwar zunächst nicht der Fall, aber ich habe mich mit anderen Radlern, die in meiner Nähe standen, sehr gut unterhalten. Viele, mit denen ich sprach, waren ebenfalls zum ersten Mal dabei. Andere waren schon “alte Hasen”. Während sich der Rudolfplatz mit Radfahrern füllte, die sich in vielen Gruppen unterhielten, wanderten ein Polizist und eine Polizistin immer wieder zwischen diesen Gruppen umher. Sie fragten, ob man zu den Organisatoren gehören würde. Ein Polizeiauto und drei Polizeimotorräder standen am Rande des Platzes bereit. Die Antwort, die sie anscheinend von allen Grüppchen erhielten, war ein “Nein”. Man traf sich ja auch nur zum gemeinsamen Fahrradfahren. Letztlich ging es den Polizisten wohl darum, die vorgesehene Strecke in Erfahrung zu bringen, da sie diese mit den Motorrädern begleiten wollten.
Nachdem zum offiziellen Beginn um 17.30 Uhr noch nicht sehr viele Radfahrer anwesend waren, sah es eine halbe Stunde später schon ganz anders aus. Ich schätze einmal, dass zwischen 50 und 60 Personen bereit waren, an der Critical Mass teilzunehmen. Irgendwann fasste sich dann einer der Wartenden ein Herz und begann unter Begleitung eines Klingelzeichens, mit dem Rad loszufahren. Alle anderen folgten ihm daraufhin langsam hinterher. Das fand ich besonders interessant: Keine vorherigen Reden (es ist ja auch keine klassische Demonstration) und keine auszumachenden Organisatoren. Die ganze Menge der Radfahrer setzte sich irgendwie organisch in Bewegung und befuhr nun zunächst den Hohenzollernring in Richtung Norden. Dabei schwankte die Geschwindigkeit zwischen 8 und 13 km/h. Es galt, dass alle Mitfahrer den Anschluss behielten, denn immerhin waren wir ein Verband (wozu nach StVO § 276 Abs. 1 mehr als 15 Radfahrer gehören). So konnten wir auch nebeneinander auf einer Spur fahren. Und sollte die Verbandsspitze über eine grün anzeigende Ampel fahren, die während des Fahrens der anderen Verbandsmitglieder auf rot umspringt, können diese selbstverständlich die Ampelanlage passieren. Der weitere Weg führte uns die Ringe entlang, über die Rheinuferstraße mit einem Schlenker durch die Altstadt und dem Heumarkt (auf dem sich gerade ein Demonstrationszug versammelte). Dann befuhren wir die Straße unter dem Maritimhotel und nutzten erneut die Rheinuferstraße, diesmal in südlicher Richtung. Am Ubierring sind wir dann letztlich wieder auf die Ringe eingeschwenkt und haben unseren Weg zum Rudolfplatz als Endpunkt genommen. Dabei konnten wir es uns nicht entgehen lassen, im Kreisverkehr am Chlodwigplatz eine Runde zu drehen (was nicht von allen Teilnehmenden positiv aufgenommen wurde); kurz unterbrochen durch die kreuzende Straßenbahn.
Während sich der Radfahrerverband durch die Straßen wand, wurden wir von vielen Leuten beobachtet. An Straßenbahnhaltestellen Wartende würdigten uns vielfach mit einem irritiert-kritischen Blick. Anders war es mit Radfahrern, die an Ampeln warteten – wir wurden mit freundlichen Rufen begrüßt, woraufhin viele von uns dazu einluden, mitzufahren. Und Touristen waren teilweise ganz begeistert von diesem Fahrradkonvoi.
Die PolizistInnen begleiteten uns die gesamte Fahrt über. Sie sicherten vor uns Kreuzungsbereiche und signalisierten neben uns fahrend anderen Autofahrern eine vorsichtige Fahrweise. Nun, wir hätten diesen Schutz wahrscheinlich gar nicht gebraucht, da die Verkehrsregeln von den Radlern eingehalten wurden. Aber da die Polizei, insbesondere die uns seitlich begleitende Polizistin, sehr freundlich waren und wir auch die jeweiligen Streckenabschnitte signalisierten, gab es keinerlei Stress sondern eher eine angenehme Atmosphäre. Vielleicht trug die Polizeipräsenz auch dazu bei, dass nahezu keine Autohupen ertönte. Auf jeden Fall war es interessant, gegen Ende der Route von der besagten Polizistin – angesprochen auf den Umgang der Polizei mit verkehrsgefährdenden Straßensituationen – zu erfahren, dass sie letztlich auch nur eine Meldung an das Amt für Straßen- und Verkehrstechnik machen können und daraufhin auch nur wenig entschärfende Maßnahmen erfolgen. Die Polizei scheint hierbei also auch nicht ernster genommen zu werden als engagierte RadfahrerInnen mit ihren Mitteilungen an das Amt.
Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt kamen wir dann an unserem Ausgangspunkt wieder an. Man entspannte sich bei Getränken, auch einer Zigarette und beim lockeren Gespräch. Es war eine schöne Atmosphäre über die gesamte Fahrt hinweg. Alle waren gut gestimmt. Das Erlebnis, die Straße befahren zu können, fand ich besonders beeindruckend und nachhaltig. Auf dem Heimweg kam mir das Befahren der benutzungspflichtigen Radwege weitaus huckliger und lästiger vor als sonst – eine asphaltierte Straße mit ihrer Breite hat einen enormen Komfortvorteil. Dies sollten die Verkehrsplaner der Stadt Köln auch mal bedenken, wenn sie von der Förderung des Radverkehrs in Köln sprechen. Ich freue mich auf die nächste Critical Mass am 26. August 2011.





