Abenteuer Aachener Straße

Kürzlich fragte mich eine Schülerin der Kölner Journalistenschule zu meiner Einschätzung der Radwegsanierungsarbeiten auf der Aachener Straße. Da ich selbst nur wenig dort unterwegs bin, habe ich eine Fahrt zum Rhein-Center in Weiden unternommen und bei dieser Gelegenheit – mit dem Fotoapparat ausgerüstet – die Radwegeführung in den Blick genommen. Was sich mir auf dieser Straße bot ist kurzgefasst nur als Abenteuer zu bezeichnen.

Dabei stehen die eigentlichen Sanierungsarbeiten noch nicht einmal im Vordergrund. Die Aachener Straße stellt mit ihrer Länge augenscheinlich auch einen zentralen Ort des Baugewerbes dar, da an vielen Stellen Häuser saniert werden. Daraus resultiert nicht nur eine veränderte Radwegeführung durch sanierungsbedingte Rad- und Gehwegarbeiten sondern ebenfalls durch versperrte oder verengte Geh- und Radwege im Rahmen von anderen Bauarbeiten. Ein kontinuierlich zügiges Befahren der Radwege ist dadurch überhaupt nicht möglich. Zumal die Baustellenbeschilderungen und Wegeführungen irritierend bis nicht vorhanden sind. Es folgen ein paar Beispiele, zu denen ich Fotos angefertigt habe. Tatsächlich vorhanden sind gefühlte 20 Baustellen.

Haselbergstraße

In Richtung stadtauswärts steht der Radfahrer an der Ecke Haselbergstraße nun erst einmal fragend an einer Absperrung. Zwar ist eine Gasse zu erkennen, die durch Absperrschranken gebildet wird. Allerdings ist kein Verkehrsschild aufgestellt, das auf eine Baustelle oder eine geänderte Wegeführung hinweisen würde. Es erscheint so, als ob Fußgänger und Radfahrer gemeinsam die aufgestellte Gasse benutzen sollen. Dies ist allerdings als sehr unfallträchtig einzuschätzen, weshalb Radfahrer hier wohl am besten die Fahrbahn benutzen. Eine Benutzungspflicht für die baustellenbedingte Gasse ist ja auch nicht ausgewiesen.

Nähe Fürst-Pückler-Straße

In stadteinwärts führender Richtung begegnet einem kurz vor der Fürst-Pückler-Straße eine Haussanierungs-Baustelle, die sich durch eine eigenartige Beschilderung und fehlende Wegeführung auszeichnet. Mitten auf den Fahrradweg ist ein Verkehrszeichen 237 mit dem Zusatz “Ende” aufgestellt. Die Wegbreite ist dadurch um die Hälfte verringert worden, das Vorbeifahren muss entsprechend vorsichtig geschehen. In den Blick gerät aber gleichzeitig das Zeichen 241, das eigentlich einen getrennten Fuß- und Radweg auszeichnet. Nur ist der nicht zu sehen. Es ist zu hoffen, dass nicht die Benutzung des schmalen Weges gemeint ist, der rechterhand den Fußweg unter dem Baugerüst fortsetzt. Zumal dann wohl eher mit Zeichen 240 ein gemeinsamer Fuß- und Radweg ausgezeichnet sein müsste. Um Voranzukommen ist also eine rasche Interpretation notwendig. Ich benutzte die Fahrbahn, dies schien mir der sicherste Weg zu sein. Zur Eindeutigkeit für Auto- und Radfahrer und vor allem Sicherheit letzterer wäre allerdings eine Wegeführung mit gelber Farbe auf dem Boden sinnvoll, mit der eine Einfädelung als Radfahrer in den Straßenverkehr übersichtlich möglich wäre. Wer weiß, welche Szenen der Bauarbeiter, der auf dem Foto zu mir herüberblickt, bereits beobachten konnte/musste…

Stadtwaldgürtel

An der Kreuzung zum Gürtel angekommen, blickte ich während des Wartens an der Ampel kurz nach rechts. Nach entsprechenden Sanierungsarbeiten wird mittels des auf der Fahrbahn aufgebrachten Radstreifens die Möglichkeit gegeben, sowohl auf der Straße fahren zu können als auch den Fußweg mitzubenutzen. Allerdings hat man wohl übersehen, das Verkehrszeichen zu entfernen, das die Benutzungspflicht für Radfahrer ausweist. Hier müsste eigentlich das Zeichen 239 (Sonderweg Fußgänger) mit dem Zusatzzeichen “Radfahrer frei” angebracht werden, um eine Eindeutigkeit herzustellen. Aber dies nur am Rande…

Brucknerstraße

Weiter stadteinwärts auf der Aachener Straße begegnet dem Radfahrer an der Ecke Brucknerstraße eine Absperrung, die der Situation an der Haselbergstraße ähnelt. Allerdings ist das Zeichen 237 noch zu sehen und nicht verdeckt worden. Es ist schlicht und ergreifend an dieser Stelle irreführend, ordnet es doch die Benutzung eines Radweges an, der nicht existiert. Die schmale Gasse, die linkerhand durch Absperrschranken ausgewiesen wird, dürfte allenfalls für Fußgänger gebrauchbar sein. Fährt der Radfahrer hier entlang, kann es zu leicht absehbaren Kollisionen mit Fuußgängern kommen. Im weiteren Verlauf dieses Pfades wird es auch abenteuerlich. Keinerlei erkennbare Wegeführung ist erkennbar; fast ist es notwendig, über Stock und Stein zu stolpern. Hier ist der Entschluss des Radlers gefragt und das Benutzen der Fahrbahn notwendig.

Ich bin froh, dass ich und alle mir begegnenden Verkehrsteilnehmer am Ende heile geblieben sind. Vermehrte Umsichtigkeit ist beim Befahren der Aachener Straße aufgrund der regen Bautätigkeit notwendig. Denn eines ist klar: Umsichtigkeit ist auf dieser Straße auch im Normalfall angebracht. Diverse zu passierende Verkehrsinseln und Rechtsabbiegestreifen bieten reichliche Möglichkeiten, die Fahrt durch einen Unfall beenden zu müssen.

Nachtrag: Gerade habe ich in Marcos Blog gelesen, dass er sich in einem neuen Beitrag auch mit dem Thema Baustellensicherung befasst. Dort ist auch eine ausführlichere Bilddokumentation zu finden.

Über Roland Brühe

Pflegepädagoge und -wissenschaftler, Popmusikhörer, Radfahrer, Hobbykoch und Genießer Zeige alle Beiträge von Roland Brühe

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