Monatsarchiv: Juni 2011

Alltagsradfahrer werden: Was braucht es dafür?

Auch im Alltag: Kurze Pause

Mal abgesehen davon, dass ich nie einen Führerschein gemacht habe: Ich denke, wer innerhalb Kölns unterwegs ist, braucht doch nicht wirklich ein Auto zu benutzen. Das Fahrrad ist tatsächlich für die Alltagswege geeignet. Wenn nun jemand das Auto stehen lassen möchte und auf das Fahrrad für die alltäglichen Wege umsteigen möchte: Was braucht es dafür? Hier einige Hinweise eines Tagtäglichfahrers (nachdem ich die äußerst anregenden Tipps von Andy gelesen habe).

  1. Benutze ein gutes Fahrrad, keines von der Kaufhausstange. Je billiger desto schwerer das Fahren über die Zeit und desto anfälliger das Material. Lege Dir Fahrradmäntel zu, die beim Überfahren von Scherben nicht gleich kleinbei geben. Benutze einen Sattel, der sich auch nach einer halben Stunde noch gut am Po anfühlt.  Habe eine Gangschaltung, die zu Deinem Fahrverhalten passt und die auch die kleinen Widerstände in der Stadt durch Anhöhen oder Wind mühelos erscheinen lässt. Benutze eine Lichtanlage, die Dir immer zur Verfügung steht ohne dass Du heftiger treten musst (z.B. angetrieben durch Nabendynamo).
  2. Lege Dir Fahrradtaschen zu, die Du seitlich am Gepäckträger aufhängen kannst. Das ist praktischer als ein Fahrradkörbchen. Eine Tasche kann alles enthalten, was Du für die Arbeit und das Fahren benötigst. Eine andere, optionale Tasche enthält genug Stauraum für die vielleicht notwendige Regenbekleidung (Regenjacke, Regenhose, Gamaschen; ja, man kann auch bei Regen fahren) und die Einkäufe, die Du ggf. auf dem Heimweg erledigen möchtest. Selbst ein kleiner IKEA-Markthallen-Einkauf ist meiner Erfahrung nach schnell zu verstauen.
  3. Verwende ein oder zwei Fahrradschlösser, die Dein Fahrrad gut schützen (am besten ein Bügelschloss als Hauptsicherung). Schließe das Rad möglichst an festen Gegenständen an (Fahrradbügel, einbetoniertes Straßenschild).
  4. Halte Dich an die Verkehrsregeln, fahre umsichtig und antizipiere das mögliche Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer. Dann ist auch ein Fahrradhelm nicht notwendig. Achte darauf, welche Radwege benutzungspflichtig sind (mit den blauen Schildern 237, 240 und 241 gekennzeichnet) und welche nicht. Wenn sie es nicht sind, kannst Du legal auf der Straße fahren und die Autofahrer können Dich viel besser wahrnehmen.
  5. Suche Abkürzungen/Wege durch Grünstreifen oder Parks. Das macht mehr Spaß und die Stadt wird sich Dir in ganz neuer Weise erschließen.
  6. Denke nicht wetterabhängig. Auch auf dem Fahrrad kannst Du Dich wettergemäß kleiden. Schwitzt Du viel bei Sonne, ziehe Funktionskleidung an, die Du z.B. am Arbeitsplatz wechseln kannst mit normaler Kleidung. Ist es kalt, ziehe Dir mehrere Schichten Kleidung an, die Du bei Bedarf auch wieder entfernen kannst, so dass es passt. Ist es regnerisch, benutze eine regenabweisende Jacke und passe Deine darunter liegenden Kleidungsschichten an. Wenn Du viel schwitzt ist es nur wichtig, dass beim Tragen von Funktionskleidung (die Feuchtigkeit/Schweiß abtransportiert) alle Schichten aus derartigen Funktionsstoffen bestehen; Baumwollschichten vereiteln den Effekt.
  7. Auch wenn die Auswahl und das Anlegen der wetterentsprechenden Kleidung manchmal lästig wirkt, erhöht sie doch den Genuss des Radfahrens. Und der Genuss wird dadurch gesteigert, dass Du am alltäglichen Autostau bequem vorbeifahren kannst.
  8. Ignoriere Idioten, die Dich anhupen, obwohl Du legal auf der Straße fährst.
  9. Klingele heftig, wenn Du Idioten begegnest, die den Radweg als Gehweg betrachten.
  10. Überhole langsamere Fahrradfahrer mit Bedacht. Klingeln oder Nichtklingeln ist eine Sache der Situation (obwohl man häufig falsch liegt).
  11. Genieße das Fahren an der frischen Luft – ohne Dach über dem Kopf und ohne schwitzende und lärmende Menschen in der Straßenbahn.

Vielleicht hören sich die Hinweise für die eine oder den anderen etwas zu technizistisch oder zu umständlich an. Diese Dinge habe ich selbst erst nach und nach entdeckt und umgesetzt. Man lernt mit der Fahrerfahrung viel dazu. Viel Vergnügen beim gesunden, adrenalinabbauenden und morgendlich-wachmachenden Radfahren!


Von entfernten und beschlossenen Pollern

Am Sonntag fuhr ich mit meinem Freund nach einem Aufenthalt an meinem Lieblingsplatz im Rheinauhafen in Richtung Ebertplatz. Der beidseitig benutzungspflichtige Radweg auf der Höhe des Holzmarkts weist ja seit der Sanierung an PKW-Einfahrten Poller auf, die wohl Autos davon abhalten sollen, auf den Geh- und Radweg einzuscheren. Gleichzeitig stellen sie aber eine ziemliche Gefährdung des Radverkehrs dar, da von den drei Pollern auf jeder Seite einer Einfahrt einer inmitten des Radweges aufgestellt wurde. Die aufgeklebten rot-weißen Leuchtstreifen halfen auch nicht viel, um diesen mittig stehenden Poller wahrzunehmen und nicht mit ihm zu kollidieren. Schon bei ungünstigen Radfahrerkonstellationen war es nicht möglich, den Poller vor einem vorausfahrenden Radfahrer zu  bemerken. Darüber hinaus war die Durchführt für Radfahrer mit Anhänger überaus schwierig bis gefährlich. Ausführlich berichtete bereits Erich Koprowski in Wort und Bild über diese Situation (FahrRad!, Ausgabe Frühjahr/Sommer 2011, S. 20 ff.).

Holzmarkt: Poller entfernt

Nun war ich bei unserer sonntäglichen Fahrt überrascht: Irgend etwas war anders. Und tatsächlich wurden die mittig platzierten Poller inzwischen anscheinend dauerhaft abmontiert. Da haben wohl die Hinweise der Kölner Radfahrer zu einem Entschluss der Verwaltung geführt, der sicherlich erst über zahlreiche Schreibtische und durch viele Gremiensitzungen durchgereicht werden musste.

Holzmarkt: Poller entfernt (Detail)

Übrigens bin ich einer kleinen Recherche zu dem bepollerten Radweg auf ein interessantes Dokument gestoßen. Im Beschlussprotokoll der Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) über ihre Sitzung am 12. Mai 2011 wird die Abstimmung über einen Antrag der Grünen dargelegt. Der auf der Sitzung abgeänderte und einstimmig beschlossene Antrag lautet:

“Die Bezirksvertretung Innenstadt bittet die Verwaltung um Prüfung, ob am Holzmarkt vor dem Art’otel an den PKW-Querungsstellen die Fußgänger- und Radfahrer-Fläche in derselben Weise mit Pollern geschützt werden können, wie das schon in Höhe der Vorfahrt des Hotels geschehen ist. Diese sechs Poller sollen noch im Juni 2011 aufgestellt werden.”

Da bleibt man doch irritiert zurück. Zumal ich von den Grünen etwas mehr Weitsicht erwartet hätte. Mal schauen, ob die Poller vielleicht demnächst aufgrund dieses Beschlusses wieder aufgestellt werden. Aber wir dürfen uns sicherlich sicher sein: Alles wird ausschließlich im Interesse der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer geschehen…


Vom Verlust und Neukauf eines Zweitschlosses

Nein, es war doch kein Ast, der mir neulich beim zügigen Fahren den rechten Fuß streifte. Am Ziel angekommen bemerkte ich beim Anschließen meines Fahrrades, dass das Spiralschloss an seinem Platz unter dem Sattel fehlte. Anscheinend hatte ich es beim letzten Anbringen an der Schlosshalterung nicht richtig befestigt. Das Spiralschloss ist zwar nicht die Hauptsicherung, wenn ich mein Fahrrad irgendwo anschließe, diese Funktion erfüllt ein Bügelschloss. Mit dem Spiralschloss schließe ich mein Vorderrad an den Rahmen an, da dieses einen Schnellverschluss hat; nun blieb das Vorderrad erst einmal ungeschützt. Dies bereitete mir wohl auch deshalb ein komisches Gefühl, da ich es mir einfach über die Jahre angewöhnt habe, mein Fahrrad auf die stets gleiche Art und Weise zu sichern. Nun fehlte halt etwas. Ich begab mich zwar auf die Suche nach dem verloren gegangenen Schloss und fuhr am darauf folgenden Tag dieselbe Strecke noch einmal ab. Gefunden habe ich es dabei jedoch nicht.

Da das Spiralschloss allerdings mindestens aus dem Jahre 1990 stammte und sich die Sicherheitstechnik seitdem sicherlich weiterentwickelt hat, machte es einfach Sinn, dass ich mir ein neues zulegte. Als Zweitschloss sollte es auch wieder ein Spiralschloss werden. Drei Vorteile bringt dies für mich mit: Erstens ist es sehr flexibel, um das Vorderrad mit dem Rahmen zu verbinden. Zweitens ist ein Spiralschloss relativ leicht. Drittens kann ich es am Sattelrohr befestigen; das Rahmendreieck ist bereits mit dem Bügelschloss belegt. Da ich meine Schlösser immer von der Firma Abus kaufe, sollte es also auch diesmal von dieser Marke sein. Wahrscheinlich spielt hierbei ein grundsätzliches Vertrauen in die Produkte dieser Firma eine Rolle. Zudem hatte ich keine Lust, eine aufwändige Recherche zu betreiben, um das Beste vom Besten herauszufinden. Es sollte ja auch noch bezahlbar sein. Die vom ADFC genannte Faustregel, wonach einem der Diebstahlschutz fünf bis zehn Prozent des Neupreises wert sein sollte, finde ich dabei gut nachvollziehbar.

ABUS Booster 670

Und so erwarb ich das Abus-Schloss “Booster 670” für 22 Euro. Obwohl ich ja nicht wirklich technisch versiert bin und ich das Durchführen von Montagearbeiten möglichst vermeide, fiel es mir dann doch relativ leicht, die alte Schlosshalterung zu entfernen und an der Sattelstütze die neue anzubringen (obwohl mir aus irgend einem Grunde bei solchen Arbeiten der Schweiß immer massiv aus den Poren dringt…). Das Schloss hat eine gute Position unter dem Sattel und es lässt sich tadellos öffnen und schließen.

ABUS Varedo 47

Zusammen mit meinem Bügelschloss, das ich beim Fahrradkauf im Jahr 2009 erwarb (Varedo 47 von Abus) habe ich also insgesamt 74 Euro für den Diebstahlschutz ausgegeben. Bei einem Fahrradneuwert von 650 Euro gibt mir das entsprechend der o.g. Faustregel erst einmal ein gutes Gefühl der Sicherheit. Darüber hinaus sehe ich zu, dass ich mit dem Bügelschloss Hinterrad und Rahmenstange immer an einem festen Gegenstand anschließe, am besten an einem Fahrradbügel, einem einbetonierten Straßenschild oder einer ähnlichen Vorrichtung. Und wie bereits erwähnt, sichert das Spiralschloss zusätzlich durch das Verbinden des Vorderrades mit der Rahmenstange. Den gesamten Aufwand betreibe ich allerdings nicht, wenn ich mal kurz beim Bäcker oder Metzger halte, um schnell mal etwas einzukaufen. Ganz abgesehen davon, dass es zumeist keine Fahrradabstellanlagen in direkter Nähe gibt, stelle ich mein Rad wenn möglich am Schaufenster ab und sichere es lediglich durch das Bügelschloss. Da es in Sichtweite ist, kann ich es immer beobachten. Ohne Sichtkontakt müssen halt beide Schlösser angewendet werden; ich hätte sonst keine ruhige Minute im Laden.

Und sollte es trotz bester Absicherung dennoch mal anders kommen und z.B. ein Lockpicker meint, mein Fahrrad stehlen müssen, tröstet mich immer noch meine Fahrradversicherung mit einer Entschädigung; so weit wird es aber hoffentlich nicht kommen müssen. Glücklicherweise bin ich bislang von jeglichem Fahrraddiebstahl verschont geblieben. Und das führe ich zunächst einmal auf meine Sicherungsmaßnahmen zurück.


Verkehrssortierung am Gottesweg

Da wurde doch tatsächlich ein bisschen Ordnung ins Chaos gebracht. Auf dem Gottesweg wurde zwischen der Rhöndorfer Straße und der Luxemburger Straße die Fahrbahn saniert und eine neue Markierung aufgebracht. Bislang zeichnete sich dieser Abschnitt für Radfahrer durch ein hartnäckiges Verteidigenmüssen des einem zustehenden Fahrbahnraumes aus. Um den Straßennamen bildlich zu gebrauchen kam es für mich teilweise zu teuflischen Zuständen auf dem Gottesweg.

erweiterte Markierung Straßeneinmündung

Neu integriert wurde nun ein Angebotsstreifen für Radfahrer, so dass zum einen die Radfahrer ein eigenes Territorium auf der Straße angeboten bekommen, das auch für Autofahrer deutlich zu erkennen ist. Hierbei wurde sogar an einen Abstand zwischen den parkenden Autos und dem rechten Rand des Streifens gedacht, so dass die Gefahr durch plötzlich geöffnete Autotüren minimiert wird. Zum anderen ist im Bereich der mündenden Straßen der Angebotsstreifen verbreitert und mit roter Farbe hervorgehoben, so dass in die Straße einfahrende Autofahrer diesen wahrnehmen können.

Aufstellspur Gottesweg / Luxemburger Str.

Besonders sinnvoll ist die markierte Aufstellfläche für Radfahrer an der Kreuzung zur Luxemburger Straße. Nun können sich Radfahrer, die weiter geradeaus in die Sülzburgstraße fahren wollen, zwischen die geradeaus fahrenden und rechts abbiegenden Autos aufstellen und den Autofahrern ist dies auch deutlich signalisiert. Bislang stand man als Radfahrer neben den nach rechts abbiegen wollenden Autos, was zwangsläufig zu einer potentiell kritischen Situation führte.

Die neue Fahrbahnmarkierung auf der Straße schließt zwar nicht aus, dass – wie bisher immer üblich – Autos in “zweiter Reihe” parken, um zum Beispiel beim Weinladen mal kurz etwas einzukaufen und damit gleichzeitig den Angebotsstreifen zu blockieren. Aber sie macht deutlich, dass eben auch Fahrradfahrer diese Straße benutzen und ihnen ein entsprechender Raum zur Verfügung stehen muss.

Rhöndorfer Str. / Gottesweg

Einziger Wermutstropfen ist aus meiner Sicht, dass die Benutzungspflicht des kombinierten Rad- und Gehweges auf der Rhöndorfer Straße nach Überqueren des Gottesweges in Richtung Klettenberggürtel nicht aufgehoben wurde. Ein gefahrloses Einfädeln von der Fahrbahnbenutzung zum linksseitig angelegten Weg ist immer noch nicht möglich. Deshalb benutzen weiterhin viele Radfahrer den äußerst schmalen Gehweg, um die Ampelanlage passieren zu können und dann auf diesen benutzungspflichtigen Weg zu kommen.

Trotzdem: Mit der Fahrbahnmarkierung auf dem Gottesweg wurde – wie ich auch von anderen Radfahrern vernahm – eine gute Maßnahme zur Verbesserung des Radverkehrs auf dieser Straße unternommen. Und eine positive Nachricht ist ja auch mal was Schönes…


Neue Erfahrung: Zielloses Umherfahren

Es fällt mir schwer, einfach so Radzufahren, ohne ein bestimmtes Ziel. Irgendwie braucht es immer ein Anliegen, um irgendwohin zu fahren. Neulich war es mal anders und für mich eine neue Erfahrung. Ich hatte spontanen Bewegungsdrang und musste etwas unternehmen, um unangenehme Gedanken im Zaum zu halten. So fuhr ich einfach mal los in Richtung Decksteiner Weiher. Diesen befuhr ich auf der westlichen Seite um weiter in Richtung Stadtwald zu fahren. Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung, wo ich genau entlang fuhr. So scherte ich später in einen eher als Trampelpfad zu bezeichnenden Weg ein und fuhr unter gelegentlichem Ducken aufgrund von herab hängenden Ästen einfach weiter. Irgendwie kam ich dann fast wieder an meinem Ausgangspunkt am Decksteiner Weiher an und pausierte an einer schön wirkenden Stelle. Enten, ein Steg im See und eine Parkbank luden mich zum Verweilen ein.

Auf diese Weise konnte ich einige Kilometer fahren durch mir noch nicht sehr bekanntes Kölner Grün. Und das für mich Neue war insbesondere, kein Ziel anzustreben sondern einfach herumzufahren – mit dem Gedanken, dass ich mich in Köln nicht wirklich verirren kann. Sicherlich werde ich nicht so schnell ein derartiges zielloses Unterfangen erneut umsetzen, aber es tat meinem Gemüt sehr gut.


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