Fahrradhelm als Risikoerlaubnis

Gerade mit Fahrradhelm wahrscheinlich? Bitte nicht!

Vielleicht ist es polemisch, das Folgende zu schreiben; vielleicht ist es die Folge einer arg gerichteten Wahrnehmung… Dennoch:

In letzter Zeit begegnen mir verhältnismäßig viele Radfahrer mit Helm, die diesen Eigenschutz mehr oder weniger bitter nötig haben. Denn sie gefährden sich durch ihr Verhalten. Sie kommen mir zahlreich mit hoher Geschwindigkeit auf dem Radweg als Geisterfahrer entgegen – obwohl der vielfach nicht sehr breit ist. Sie fahren in der Dunkelheit ohne Licht, so dass ich sie erst von Nahem erkennen kann. Sie fahren nochmal eben schnell bei roter Ampel über die Straße, obwohl der kreuzende Verkehr schon begonnen hat. Und einige überholen ohne jede Vorsicht oder Ankündigung.

Dies macht den Eindruck auf mich, dass der Helm bei diesen Personen eigentlich nicht dem Schutz vor durch anderen verursachten Unfällen dient, sondern dem Schutz vor Unfällen durch das eigene Verhalten. Vielleicht ist es ja auch so, dass der Helm eine Art Genehmigung für riskantes Verhalten bewirkt – nach dem Motto: “Mir kann ja nichts passieren!” An die anderen Verkehrsteilnehmer scheinen diese Menschen nicht wirklich zu denken.

Was bleibt mir anderes übrig, als das potentiell gefährdende Verhalten dieser Radfahrer zu antizipieren, wenn ich mit dem Fahrrad fahre? Und sollte der nicht zu wünschende Fall eintreten, dass es zu einem Unfall kommt, würde es dann wahrscheinlich in der Unfallliste auf der Website von Velo2010 heißen, dass ich ohne Fahrradhelm unterwegs gewesen wäre… Who is to blame?

Foto von Postkarte: unbekannt

Über Roland Brühe

Pflegepädagoge und -wissenschaftler, Popmusikhörer, Radfahrer, Hobbykoch und Genießer Zeige alle Beiträge von Roland Brühe

11 Antworten zu „Fahrradhelm als Risikoerlaubnis“

  • der_simon

    http://blog.simon-kuehn.de/archives/2011/02/15/ein-sehr-trauriger-simon/

    Einzige Hilfe gegen Geisterfahrer: Sozialdruck! Anhupen und Geisterfahrer schreien. Kommt bei mir seltener vor, weil ich mich dieser Torkel-Radler-Gefahr auf den Radwegen nicht mehr aussetze. ;-)

    Dein Artikel ist nicht polemisch.

    • arvo

      Was diese Helmpolemik der Polizei anrichten kann, ist in besagten Artikel weiter unten in einer Bildunterschrift der Fotoline zu lesen: “187 Radfahrer wurden 2010 bei Unfälle schwer verletzt. Häufig waren sie selbst schuld, weil sie keinen Helm trugen oder bei Rot über eine Ampel fuhren.”

      http://www.ksta.de/html/artikel/1297433569823.shtml

    • Marco

      Das laut “Geisterfahrer” schreien (ich warne damit die Mitfahrer hinter mir, ob imaginär oder real) habe ich für mich schon vor über einem Jahr erfunden und es funktioniert in jedem Fall in irgendeiner Art und Weise: von Verwirrung, Anhalten, Umdrehen(!) bis zu “Arschloch” schreien, ist alles dabei! Scheint also in jedem Fall für Aufmerksamkeit zu sorgen.
      Leider erzieht sich unsere Straßenverkehrsbehörde die Geisterfahrer zu einem großen Teil allerdings, indem dieser Irrsinn oft genug behördlich angeordnet wird …

  • Wolfgang

    Keine Polemik erkennbar! Ich sehe aber keinen Zusammenhang zum Helm. Die Deppen, die im Dunkeln bei Regen schön dunkel gekleidet auf der Straße fahren, möchte ich als Blutspender immer gern davon ausschließen, mein Blut zu bekommen. Das war Polemik.

  • Koelnradler

    Bei Geisterradlern muss ich auch immer drüber nachdenken, ob sie es einfach nicht besser wissen, oder ob es ihnen schlicht egal ist.
    Wenn ich morgens zu Fuß unterwegs bin, kommen mir auch unheimlich viele Radfahrer auf dem Bürgersteig entgegen (Neusser Straße), fahren über Rot und sind genervt, wenn sie wegen mir auf dem Bürgersteig bremsen müssen. Diese Radfahrer verstehen sich wahrscheinlich auch nicht “Fahrzeugführer”, sondern als Fußgänger mit fahrbarem Untersatz – und verhalten sich auch so. Sie wollen einfach nur schnell von A nach B kommen und scheren sich um andere Verkehrsteinehmer oder Verkehrsregeln einen Dreck.
    Es ist schon erstaunlich, was man teilweise mitansehen muss: Da stehen Grundschüler an einer roten Fußgängerampel und sämtliche Radfahrer (wohlgemerkt auf dem Bürgersteig)fahren einfach weiter. Teilweise sind auch radfahrende Mütter mit Kleinkind im Kindersitz dabei – aber wass soll’s? Stehenbleiben und wieder mühsam Anfahren – “das geht ja gar nicht!”
    Sozialdruck, wie Simon es anspricht, scheint wohl die einzige Möglichkeit zu sein. Die oben erwähnten Grundschüler praktizieren dies auch (“Es ist roooot!”) und ich hoffe, dass es zumindest bei einigen hilft.

    Dass immer mehr dieser rücksichtslosen Radfahrer mit Helm unterwegs sind, kann ich auch nur damit erklären, dass sie sich wohl doch ihres rücksichtslosen Verhaltens bewusst sein müssen und sich zumindest selbst etwas besser schützen wollen falls es doch einmal schief geht…

  • Koelnradler

    @Wolfgang
    Du hast recht, wenn ich in der Unfallstatistik von Velo2010 sehe, wie viele dieser Unfälle durch Geisterradeln oder hohen Alkoholpegel verursacht werden … mit diesen Leuten kann ich leider auch kein Mitleid empfinden. Schade nur, dass durch deren Fehlverhalten auch andere Verkehrsteilnehmer in Mitleidenschaft gezogen werden. Zum Glück ziehen sich viele Radfahrer mit hohem Promillewert schon rechtzeitig selber aus dem Verkehr (vornehmlich durch Bekanntschaft mit Laternenpfählen oder Bordsteinkanten) bevor sie Anderen gefährlich werden können.

  • der_Radler

    Ich mag diese Spezies Radfahrer auch nicht wirklich.
    Interessant im Zusammenhang mit der Helmgeschichte finde ich, dass es Studien gibt, die belegen, dass Helmträger unter den Radfahrern noch enger von Autofahrern überholt werden als “helmlose” Radfahrer. Das zeugt von einer ähnlichen Denke. “Die haben ja einen Helm auf, da kann ja nichts passieren.”
    Nein, ich möchte hier keine neue Diskussion über das Für und Wider eines Helmes entfachen. ;-)

  • Helau!

    ob sie es einfach nicht besser wissen, oder ob es ihnen schlicht egal ist
    Ich kann immer wieder die Postings von Wolfgang Strobl in news:de.rec.fahrrad empfehlen, der hatte sich damals auch dazu Gedanken gemacht. Lesen und Nachdenken!

    • Roland Brühe

      Danke für den Hinweis. Beim ersten Lesen dieser inzwischen teilweise recht alten Postings (Ende 90er Jahre) wird deutlich, dass sich die dort beschriebenen Probleme und Argumente keineswegs wirklich überholt haben. Die Diskussionen bleiben anscheinend relativ konstant.

  • Ulrike

    Kann dir nur zustimmen! Die nerven und ziehen die anderen Radfahrer mit runter.
    Hab auch grad mal wieder so einen behelmten Ramboradler beobachtet. Als Geisterradler unterwegs, full speed über die rote Ampel und dann weiter über eine Tankstellenausfahrt. Dann hörte ich ein lautes Bremsgeräusch – Fahrradbremse. Hatte er gerade noch vor dem aus der Tankstellenausfahrt fahrenden Auto bremsen können. Gut, der Autofahrer war wohl auch nicht besonders aufmerksam, aber bei der Geschwindigkeit des Radler hätte das eh nix genützt. *kopfschüttel*

  • Koelnradler » Blog Archive » Anleitung zum Geisterradeln

    [...] Flüche hinterher und musste an den Blogbeitrag von Roland und die zugehörigen Kommentare denken (Fahrradhelm als Risikoerlaubnis ) Als ich mich später umdrehte, musste ich voller Entsetzen feststellen, dass ich wohl im Unrecht [...]

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