Irgendwann musste es ja einmal passieren. Heute Morgen hatte ich einen Unfall, der mir selbst glücklicherweise nur einen Schock brachte und meinem Fahrrad leider wohl eine Acht im Vorderrad.
Es ist einer dieser typischen Straßenkreuzungen, die einen separaten Rechtsabbieger haben (Luxemburger Straße, Einfahrt in die Universitätsstraße). Fußgänger und Radfahrer müssen Inseln überqueren. Selbst, wenn ich eigentlich geradeaus weiterfahren möchte, zwingt mich die Inselsituation, mich als Quasiabbieger zu fühlen, wenn ich auf den weiterführenden (benutzungspflichtigen) Radweg gelangen will. Nichtsdestotrotz habe ich Vorfahrt, da ich ja in Wirklichkeit geradeaus fahre. Nun ist mir an dieser Stelle ein Auto in die Seite gefahren, während ich diesen Rechtsabbieger überquerte. Irgendwie habe ich es geschafft, mich mit meinem linken Bein abzustützen, so dass ich nicht gefallen bin. Das Auto hat mich wohl in einem “glücklichen” Winkel angefahren, so dass mein rechter Unterschenkel keinen Schaden nahm. Ich hatte erstmal einen Schock und es dauerte gefühlte Ewigkeiten, bis ich mich von der Straße entfernte und auf den Fußweg ging, um die Straße freizumachen. Der Autofahrer fuhr rechts ran und war selbst geschockt; er hätte mich gar nicht gesehen, wie er meinte. Nun gut, er erkundigte sich nach meinem Zustand und einem eventuellen Schaden. Offensichtlich war, dass die Kette abgesprungen war. Der Fahrer gab mir seine Visitenkarte und versicherte, für entstandene Schäden natürlich aufzukommen.
Die Kette habe ich dann nach einem Moment der Beruhigung wieder anbringen können. Beim Fahren stellte ich fest, dass der Tacho nicht mehr zählte. Das Vorderrad hat augenscheinlich eine Acht hineingefahren bekommen. Heute Nachmittag gehe ich erstmal zur Werkstatt und lasse das Fahrrad auf Schäden untersuchen. Vielleicht ist ja irgendetwas sonst durch die Wucht beschädigt worden. Ich bin körperlich wenigstens heile geblieben.



16. September 2010 um 10:41
Alter! Gut, dass dir nichts passiert ist!
Aber: Keine Polizei??? Derjenige Autofahrer gehört mal ein wenig in die StVO eingewiesen! Ich hab gut reden, bei meinem ersten Vorfall dieser Art habe ich auch aus dem Schock heraus nicht die Rennleitung herzitiert.
Ansonsten ist meine Meinung in folgendem Beitrag gut manifestiert: http://blog.simon-kuehn.de/archives/2010/08/14/radunfaelle-in-den-medien/
Gruß und weitere Unversehrtheit wünscht
Der Simon
16. September 2010 um 11:12
Mein Beileid zu dem Unfall. Ich kenne die Kreuzung auch, die ist nicht ohne. Normalerweise ist an der auf dem Foto zu sehenden Stelle ja aufgrund der Straßenbahnhaltestelle immer recht viel “querender Verkehr”, so dass man dann eigentlich nicht übersehen werden kann, aber wenn man der einzige ist, der dort fährt, kann das natürlich anders aussehen. Ich selbst bin dort bisher glücklicherweise noch nicht in eine solche Situation gekommen. Aber neulich bin ich dort auch zum ersten Mal in meinem Leben als Autofahrer entlanggefahren, und muss zugeben, dass sich die Kreuzung aus dieser Perspektive einfach anders “anfühlt”. Da war ich froh, die Tücken so genau zu kennen. Ähnlich ist es meiner Meinung nach, wenn man als Autofahrer von der Deutzer Brücke kommend die Bäche entlangfährt und dann am Barbarossaplatz nach links auf die Ringe abbiegt. Da hat man die Kreuzung schon praktisch hinter sich, und dann muss man an der Stelle noch auf querende Fußgänger achten – damit rechnet man nicht unbedingt. Für Fahrer, die nicht einheimisch sind, kann das vermutlich wirklich etwas verwirrend sein.
An “deiner” Kreuzung fand ich bisher übrigens immer die andere Straßenseite (also die Ecke, an der neuerdings der Rewe-Markt ist) besonders gefährlich, weil man dort als Radfahrer vor den rechts abbiegenden Autofahrern hinter einer Baumreihe/Hecke versteckt fährt und somit erst recht übersehen wird, aber dein Unfall zeigt natürlich, dass es auch anders laufen kann.
Ich wünsche auf alle Fälle gute Besserung und würde empfehlen, wegen des Unfalls auch einmal zum Arzt zu gehen, auch wenn du im Moment keine Schmerzen hast.
16. September 2010 um 11:54
Da hast Du Glück gehabt … ich gratuliere.
Und ansonsten immer die Polizei rufen! Für die Behörden sind Radverkehrsunfälle eine statistische Größe, wenn von uns nicht genug bluten, werden Behördenvertreter nichts ändern. Jetzt hast Du umsonst geblutet.
Trotzdem … Alles Gute
16. September 2010 um 12:19
Zuerst und am Wichtigsten: gute Besserung, bzw Erholung!
Dann: Polizei informieren, bzw. Anzeige erstatten. Das geht noch im Nachhinein, bzw. Online.
Hintergrund: trotz Visitenkarte überlegt es sich der Autofahrer vielleicht noch anders und Du zahlst schlimmstenfalls noch drauf. Desweiteren: für die Statistik ist dieser Unfall ein wichtiges Argument im Kampf gegen die blaubeschilderten Todesfallen, wie ja bereits geschrieben.
Geh bitte auch noch zum Arzt, auch wenn Du *meinst*, daß alles in Ordnung ist.
Liebe Grüße,
Marco
16. September 2010 um 21:03
Man, du kannst einem ja einen Schreck einjagen!!!! Gut, dass dir nichts weiter passiert ist!!!! *schweißvonderstirnwisch*
17. September 2010 um 00:06
Ich freue mich, dass dir offensichtlich nichts Schlimmeres passiert ist!
Für dein Fahrrad tut es mir sehr leid. Ich drücke die Daumen, dass es bei der Acht und dem kaputten Tacho geblieben ist.
Herzliche Grüße aus Berlin
Johann
17. September 2010 um 00:52
Ihr Lieben,
vielen Dank für Eure guten Wünsche, Empfehlungen und Mitgefühlsäußerungen. Das freut mich sehr!!! Und es bestärkt mein Gefühl, dass es so etwas wie eine “Fahrradfahrer-Community” gibt…
Körperlich geht es mir weiterhin glücklicherweise gut. Ich habe die Arbeit heute früher beendet, habe mein Fahrrad zur Werkstatt gebracht und dann erstmal mehrere Stunden auf dem Sofa mehr oder weniger schlafend verbracht. Ich musste mir eingestehen, dass so ein Unfall – auch wenn keine Verletzungen vorliegen – nicht so einfach wegzustecken ist.
Die Überprüfung in der Werkstatt hat glücklicherweise festgestellt, dass die Rahmenvermessung positiv verlaufen ist. Das Fahrrad ist also nicht grundsätzlich in seiner Stabilität geschädigt worden. Das Vorderrad wurde wohl neu justiert; der Tacho zählt wieder und das Rad läuft ordentlich. Die Kosten von 35 Euro stelle ich dem Unfallverursacher in Rechnung und ich hoffe, dass er bei seiner Zusage bleibt, den entstandenen Schaden zu bezahlen.
Da es mein erster Unfall mit einem Auto war, habe ich mich vielleicht nicht sehr bedacht verhalten. Der Schockmoment war wohl zu groß. Aber aus so etwas kann man ja lernen. Das nächste Mal werde ich sicherlich die Polizei zur Unfallaufnahme herbeirufen. Das macht bestimmt vieles klarer. Insbesondere den Versicherungsanspruch auf Ausgleich von Schäden, die nicht “materieller Art” oder körperlich sind. Auch ärgere ich mich im Nachhinein, dass ich den jungen Mann, der alles beobachtet hatte und mich nach meinem Befinden fragte, nicht um seine Personenangaben gebeten habe. Der fahrradpolitische Aspekt, dass ohne polizeiliche Unfallaufnahme die Problematik dieser Verkehrsstelle für Fahrradfahrer nicht öffentlich benannt wird, geht mir darüber hinaus nach (in der Tat habe ich in dieser Beziehung “umsonst geblutet”).
Den Rat des Fahrradladenmitarbeiters, ob ich mir nach dem Vorfall nicht einen Fahrradhelm zulegen möchte, werde ich aber sicherlich nicht weiter nachgehen, auch wenn es zunächst so offensichtlich erscheint und ich in mir eine immerwährende Ambivalenz verspüre. Die Gefahr, sich bei einem Unfall dieser Art einen Knochenbruch am Bein oder Schäden im Schulterbereich zuzulegen, ist m.E. viel größer.
Für meinen Arbeitsweg werde ich nun einen anderen Weg wählen, auch wenn er einen kleine Umweg bedeutet. Aber die besagte Kreuzung möchte ich doch in Zukunft eher meiden. Zu oft verursacht sie ein Gefühl von Unsicherheit, da sie für Fahrradfahrer nicht eindeutig geregelt ist. Wie sollen dann Autofahrer wissen, wie sich Fahrradfahrer verhalten? Zwar habe ich dem Fahrradbeauftragten der Stadt Köln schon über eine Problemstelle an dieser Kreuzung berichtet. Aber über eine Mitteilung hinaus, dass man sich sowieso die Situation an der Luxemburger Straße betrachten möchte, habe ich keine weiteren Konsequenzen mitgeteilt bekommen oder gar festgestellt. Leider ist festzustellen, dass der Fahrradbeauftragte ein städtisch-politisches Marketing-Feigenblatt darstellt…
Beste Grüße,
Roland
19. September 2010 um 10:58
Auch ich freue mich, dass dir nichts Schlimmeres passiert ist. Ob ich in so einem Schockmoment korrekt handeln würde, möchte ich bezweifeln.
An der Stelle ist ja sogar ein Zebrastreifen – vorsichtig gefahren wird aber anscheinend trotzdem nicht. Einen eigentlich vorfahrtsberechtigten Streifen “geschwungen” zu verlegen, ist auch nicht gerade das Gelbe vom Ei.
Nico
19. September 2010 um 11:48
[...] Bericht eines Betroffenen: Radfahreralltag [...]
21. September 2010 um 16:00
Genau an dieser Stelle hatte ich vor ca. 8 Jahren meinen letzten Fahrradunfall. Damals waren Vorderrad und Gabel hinüber.
30. Januar 2011 um 13:40
“Wie sollen dann Autofahrer wissen, wie sich Fahrradfahrer verhalten?”
Deshalb vor freiem Rechtsabbieger IMMER auf die Fahrbahn, auch auf der linken Seite.
Allein den Autofahrern die Schuld zu geben, geht an der Ursache vorbei, die von den Behörden gesetzt wird.
Der Kölner Fahrradbeauftragte ist ein Alibi-Mann, der segnet noch viel gefährliche Konstrukte ab, hier und hier.