Klingeln vor dem Überholen: Belästigung oder Hilfe?

Klassische Situation beim Fahren: Vor mir fährt heute Nachmittag ein Radfahrer, den ich nicht überholen kann. Also bleibe ich auf Sicherheitsabstand. An den Ampeln prescht er immer schon bei noch rotem Licht los und ich habe keine Möglichkeit, ihn zu überholen. Als der Radweg nun breit genug und frei von Schnee und Eis wird, setze ich zum Überholen an. Vorher klingele ich jedoch, damit er sich darauf einstellen kann (zumal es dunkel war). Als ich an ihm vorbeifahre ruft er mir hinterher: “Ich bin doch nicht blind, du Idiot!” Da ich ihn ja gar nicht ärgern wollte, rufe ich noch “Das ist doch nur zur Sicherheit”.

Ich habe mich über den Ausruf des Radfahrers ziemlich geärgert. Schließlich wollte ich doch nur Sicherheit gewährleisten und ihn für uns beide gefahrlos überholen. Das er sich ärgern könnte, ist mir gar nicht in den Sinn gekommen. Bin ich da zu naiv? Gehört es sich vielleicht gar nicht, vor dem Überholen ein Warnsignal mit der Klingel zu geben? Wirkt der Klang meiner Klingel zu aggressiv? Oder hat der Radfahrer überreagiert?

Solche kleinen Erlebnisse sind ja bestens geeignet, sich zu hinterfragen und dauerhaft ein schlechtes bzw. unsicheres Gefühl mit sich herumzutragen. Ich glaube, ich werde auf Radwegen weiterhin ein Klingelzeichen geben. Denn wie sollte ich sonst zu verstehen geben, dass ich überholen will?!

Über Roland Brühe

Pflegepädagoge und -wissenschaftler, Popmusikhörer, Radfahrer, Hobbykoch und Genießer Zeige alle Beiträge von Roland Brühe

8 Antworten zu „Klingeln vor dem Überholen: Belästigung oder Hilfe?“

  • der Radler

    Bei den ersten Zeilen musste ich an den “ichmussdenRadfahrerüberholen”-Komplex oder an die “ichkannnichthintereinemRadfahrerhinterfahren”-Phobie von Autofahrern :-) denken, dann wurde mir aber klar das es sich um zwei Radfahrer handelt :-)

    Ich klingel auch immer, die sensationelle Reaktion bei Fußgängern ist aber leider meistens, dass nicht Platz gemacht wird, sondern, dass die Fußgänger wie angewurzelt stehen bleiben und sich erst einmal umdrehen. Also kannst Du froh sein, das er nicht stehen geblieben bzw. sich auch noch in den Weg gestellt hat. :-)

    Ich finde Klingelzeichen geben ok. Der Klingelton ist allerdings etwas “nervig”. Das ist natürlich rein subjektiv ;-) Ich habe mittlerweile so eine alt her gebrachte Ringring-Klingel. Das Reaktionsverhalten hat sich allerdings überhaupt nicht geändert. :-)

  • ohneautounterwegs

    Wie man es macht es ist verkehrt, der eine erschreckt weil man klingelt der andere weil man nicht klingelt. Ich klingele auch meistens mit vielen unterschiedlichen Reaktionen. Irgendeinem missfällt es immer was man tut…

  • pehei

    Fußgänger neigen auch gerne dazu, beim Umdrehen den halben Radweg zu kreuzen und dann erst recht ins Fahrrad zu springen. Irgendwie sind Klingeln ziemlich überflüssig. Ist man weit weg, hört man sie nicht und klingelt man erst kurz vorher, erzeugen sie oft Unmut und Missverständnisse. Ich habe mir angewöhnt, mich möglichst verbal mit einem kurzem “Vorsicht bitte!” anzukündigen. So laut wie meine Klingel bin ich auch.

  • Jens2

    Das Überholen mit einem Schallzeichen (dazu gehört auch die Klingel) anzukündigen ist innerhalb geschlossener Ortschaften verboten. Davon abgesehen bringt das Ganze ja auch nichts, wenn man tatsächlich auf einem der berüchtigten Kölner Radwege fährt. Die sind in 99,9 % der Fälle zum Überholen einfach zu schmal – insbesondere natürlich, wenn man es wie so oft mit Radfahrern zu tun hat, die offenbar noch nie etwas vom Rechtsfahrgebot gehört haben. Ein Überholmanöver, bei dem man gleichzeitig die notwendigen seitlichen Abstände einhält, kann man da schlicht vergessen.

    Das ändert natürlich nichts daran, daß ich mich ebenfalls maßlos über solche Trottel ärgere, die mit gefühlter Schrittgeschwindigkeit über Radwege schleichen und dann an der Ampel, also der einzigen Möglichkeit, an Ihnen vorbeizukommen, natürlich bei Rot weiterfahren, während man selbst auf Grün wartet und dann kurze Zeit später wieder von hinten auf diese Typen auffährt, weil sie weiterhin nicht aus den Pötten kommen. Und das wiederholt sich dann bei jeder Ampel aufs Neue. Schrecklich.

  • Roland

    Dass innerhalb geschlossener Ortschaften die Klingel nicht zum Ankündigen des Überholens benutzt werden darf, war mir noch nicht bekannt. Aber die StVO liest sich so in der Tat. Danke für den Hinweis.
    Nichtsdestotrotz bleibt die Problematik des Überholens von langsamen Radfahrern auf vielfach zu schmalen Radwegen. Bei den Kölner Radwegeverhältnissen, die Du ganz treffend beschreibst, ist das wirklich nicht einfach – sowohl aus Gründen der Wegbreite als auch aus Gründen der Nichtbeachtung des Rechtsfahrgebots.
    Wie ich inzwischen bemerkt habe, hilft in der Dunkelheit des winterlichen Nachmittags/frühen Abends schon mal das weit nach vorne strahlende eigene Vorderlicht, dass man als überholwillig wahrgenommen wird und der langsamere Fahrer daraufhin weiter rechts fährt. Da murmele ich schon mal ein “danke”, wenn derart reagiert wird. Ansonsten ist nur hilfloses, geschwindigkeitsangepasstes Hinterherfahren angesagt…

  • Zweiradler

    Überholen mit dem Fahrrad ist ja nun auch nicht allzu sinnvoll. Der Geschwindigkeitsunterschied zwischen zwei Fahrradfahrern ist in der Regel viel kleiner als der zwischen Rad und Auto – und von den Autos verlangt man ja auch, dass sie gegebenenfalls geduldig hinter einem herfahren. Ich fahre gern mal hinter einem langsamen “Mitradler” hinterher und habe dabei noch keine nennenswerte Zunahme der Fahrtdauer feststellen können. Außerdem ist Radeln in kleinen Grüppchen doch viel angenehmer. :)

    Nico

  • lolek

    Klingeln berechtigt zum “riskanten Überholmanöver”
    Hat ein Radfahrer mehrfach geklingelt, bevor er auf einem Radweg einen anderen Radfahrer überholen will, so braucht er nicht den üblichen Sicherheitsabstand von einem Meter einzuhalten. (Oberlandesgericht Frankfurt am Main, 17 U 129/88)
    …soviel zum angeblichen Verbot des Klingelns in Ortschaften.

  • Roland Brühe

    Inzwischen (der originale Beitrag ist ja schon etwas älter) habe ich es mir angewöhnt, regelhaft mein Überholenwollen durch Klingelzeichen anzukündigen. Ausnahmen bilden lediglich Radwege wie an der Rheinuferstraße, die auf Benutzung in beide Richtungen ausgelegt sind, eine dementsprechende Breite aufweisen und der vor mir fahrende Radfahrer kontinuierlich rechts fährt; dort verzichte ich (allerdings nur bei Tageslicht) oft auf das Klingelzeichen, weil ausreichend Raum vorhanden ist und ich nicht wirklich mit besonderen Ausweichmanövern des zu überholenden Radfahrers zu rechnen ist.

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